Mit dem Herzen sehen?!

Was bedeutet dieser Spruch eigentlich? Er ist ja sehr präsent und wird gerne zitiert, aber was heisst es genau, mit dem Herzen zu sehen? Und machen wir das überhaupt?
Ich unterstelle ja gerne, dass dieser Spruch gebraucht wird im Sinne von: „Ach, der ist schön und wahr“, aber dann wieder vergessen wird.
Da jeder Mensch individuell ist, kann auch jeder nur für sich diese Fragen beantworten. Aber ich möchte euch gerne an meiner Antwort teilhaben lassen und vielleicht seht ihr das ja auch so?
Mit dem Herzen zu sehen bedeutet für mich, immer wieder aufs neue zu schauen, was die Hintergründe sind für das, was die Menschen machen.
Bei meinen Kindern mache ich das zum Beispiel automatisch sehr oft.
Wenn sie weinen schaue ich, warum. Wenn sie wütend sind ebenso und wenn sie nicht kooperieren, dann noch mehr.
Es hat immer einen Grund und für meine Kinder in diesem Moment einen gewichtigen Grund. Wenn ich ihn habe und etwas damit mache, wie kommunizieren (Du hast Dir wehgetan, das sehe ich, soll ich pusten? Oder: ich sehe, du bist wütend, was ist denn passiert? (meistens brauche ich allerdings diese Frage nicht weil ich es verursacht habe, durch ein Verbot oder schimpfen, oder weil ich das Brot genau so geschnitten habe, wie sie es wollte), dann löst er sich schnell in Luft auf und allen geht es wieder gut.
Bei erwachsenen Menschen ist es für mich schwieriger hinter die Kulissen zu schauen weil ich meistens davon ausgehe, sie wissen schon, was sie tun.
Und genau da liegt aber der Fehler.
Ne, wissen sie nicht. Weil sie zwar äußerlich erwachsen sind, im Inneren aber noch immer ganz viel Programm aus der Kindheit abläuft. Zusammen mit den Erfahrungen, den sie bis dato gemacht haben wird das ein Programm nach dem sie agieren und reagieren.
Ein Beispiel: Mein Mann sagt zu mir, ganz ruhig und freundlich, ich habe die Tasse nicht richtig abgespült, ob ich da bitte das nächste Mal darauf achten könne.
Er ist mein Mann also fährt direkt das Beziehungsohr aus. Die Sachebene fällt in den Keller, der Appell hinterher und das Selbstoffenbarungsohr meines Mannes stöhnt mit den Worten: Kollege, das war ein Fehler. Mach du mal, ich geh.
Das Beziehungsohr hört in dem Moment aber garnicht meinen Mann, sondern etwas anderes. Es hört Dinge aus meiner Kindheit: Nie machst du was richtig. Alles was du tust ist falsch. Du bist schuld, dass ich nochmal abwaschen muss…
Und dann läuft mein Programm ab aus Schuldgefühlen, das Gefühl, nicht genug zu sein, alles falsch zu machen, schlecht zu sein und ich reagiere als Kind, nicht als Erwachsene.
Ich schieße wütend zurück, mein Mann, der ja eigentlich sehr freundlich war, wird ebenfalls wütend und wir haben den schönsten Streit am Start.
Was hat das jetzt mit dem Zitat zu tun?
Ganz einfach, wenn sowohl mein Mann, als auch ich mit dem Herzen geschaut hätten, wäre die Situation anders geworden. Ich hätte seinen Appell nicht als Angriff gesehen, sondern nur als Hinweis und wäre entspannter damit umgegangen. Er hätte meine Wut als die Wut eines verletzten Kindes erkannt und mich beruhigt, liebend angenommen und mir gesagt, dass es keine Kritik an meiner Person war sondern eben nur, ganz nüchtern, ein Appell.
Natürlich ist das nicht einfach sein eigenes Programm und das der Anderen zu erkennen und nicht auf den Zug aufzuspringen, sondern abzusteigen und von außen zu schauen, was da eigentlich los ist.
Und dem ganzen dann auch noch mit (Selbst) liebe zu begegnen ist eine große Herausforderung.
Denn dieser Spruch ist ja nicht nur für die Anderen, sondern auch für uns.
Es geht also darum erstmal den Verstand auszuschalten, vor allem, wenn wir verletzt wurden. Dann zu schauen, was verletzt mich da gerade? Und warum?
Danach schauen wir bei unserem Gegenüber, warum handelt er so?
Oft kommen wir dann relativ schnell auf eine Antwort, wenn nicht, hilft Fragen: „Warum hast Du dies und jenes gesagt/getan?“ und Offenheit. Zu sagen, was das mit uns gemacht hat („Es hat mich verletzt, mich traurig gemacht…“) kann auch helfen, eine andere Ebene des Miteinanders zu finden.
Aber ob und wieweit ihr euch öffnen wollt und könnt, müsst ihr selber entscheiden, denn es gibt Menschen, die toxisch sind und das dann gegen euch verwenden können. Klar, auch hier kann euer Herz den Grund dafür finden, das heisst dann, dass ihr eventuell nachvollziehen könnt, warum dieser Mensch so handelt, aber nicht, dass ihr euch in Gefahr begebt.
Ich bin der Meinung, wir sollten uns trotzdem diesen Spruch mehr zu Herzen nehmen und ihn auch im Alltag so oft es geht anwenden.
Wie seht ihr das?
In Liebe,

eure Mel

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