Wie wird aus einer Frau eine gute Ehefrau?

Habt ihr euch das mal gefragt? Als kleines Kind, vor der Ehe, währenddessen?

Ich muss zugeben, ich nicht. Für mich kam es nie so wirklich in Frage zu heiraten. Meine Mutter sagte immer, ich solle es bloß nicht machen, weil ich dann so abhängig sei. Also beschäftigte ich mich nie wirklich damit.

Aber jetzt, doch verheiratet und sogar mittlerweile zum zweiten Mal, kam bei mir diese Frage auf: Bin ich eine gute Ehefrau? Und was macht es überhaupt aus, eine gute Ehefrau zu sein?

Diese Fragen will ich euch heute beantworten, aber kommt mal zuerst mit mir mit auf eine kleine Zeitreise.

Den Menschen gibt es seit ca 300 000 Jahren. Die Ehe, wie wir sie heute kennen seit ca 2000 Jahren. Das sind 0,6% der Zeit in der es unsere Spezies gibt. Also eigentlich ganz neu.

Vorher war es normal dass die Sexualpartner häufig wechselten, die Kinder von und mit der Gemeinschaft aufgezogen wurden und so die Bindung des Clans gestärkt wurde. Wem welches Kind gehört war jetzt nicht so wichtig, es wurde eh von allen versorgt. Das ist auch sinnvoll, denn so stand der Clan als Einheit zusammen.

Dann kamen die Sesshaftigkeit und damit der Besitz. Es gab Felder, Vieh und auf einmal Dinge, welche die Menschen weitergeben konnten. Das sollte dann natürlich nicht an irgendjemanden gehen, sondern an den eigenen Nachwuchs. Es wurde wichtig, wem welches Kind gehört. Und welche Frau. Die Kirche segnete dies ab und förderte es noch, indem es die Ehe als DAS Mittel zur Frömmigkeit erhob. Wer in den Himmel wollte, musste heiraten. Wer Kinder wollte, musste heiraten. Wer Sex wollte, musste heiraten. Sie Kirche hatte es geschafft aus einem Trieb, etwas ganz normalen und natürlichem, eine Sünde zu machen. Sie hat es geschafft, die Menschen so in Angst zu versetzen, vor ihren eigenen Trieben, ihrem Körper, dass sie alles taten um nicht bestraft zu werden. Es wurde zur Schande Sex zu haben ohne verheiratet zu sein. Bekam die Frau dann noch ein Kind hatte das oft den Ausschluss der Gesellschaft zur Folge. Wohlgemerkt, nur für die Frau. Der Mann kam unbehelligt davon.

Es wurde für Frauen immens wichtig, verheiratet zu sein. Damit waren sie abgesichert. Geschützt. Sie bekamen ein Leben in Würde und Sicherheit. Von Liebe war nie die Rede. Konnte man sich damals auch nicht leisten.

Ehen wurden immer nützlicher. Wo vorher der Sex und die Gemeinschaft eine Gruppe zusammenhielt, war es schnell die Ehe. Sie hielt Familien zusammen und schmiedete Bündnisse zwischen Königreichen. Die Frauen hatten dabei nichts zu sagen. Die Männer suchten die „beste Partie“ für sie aus. Also den reichsten, einflussreichsten und mächtigsten Mann, denen die Familie habhaft werden konnten. Das Alter, das Aussehen, der Ruf und das Menschliche war dabei egal. Unvorstellbar, was die Frauen da erleiden mussten und, leider, heute noch immer müssen.

In unserer Kultur hat es sich zum Glück weitgehend gewandelt. Wir dürfen uns unsere Ehemänner selber aussuchen. Wir dürfen lieben, wir dürfen Sex vor der Ehe haben und Kinder ohne Trauschein bekommen, auch wenn das vielen älteren Menschen sauer aufstößt. Auch daran könnt ihr sehen, wie nah diese Zeit noch ist.

Aber.

Diese Idee der Ehe ist künstlich und, wie ich finde, schädlich. Denn mit der Ehe kommen die Erwartungen. Und mit den Erwartungen die Enttäuschungen. Und die Spirale, die mit großen Hoffnungen begann, dreht sich weiter und weiter nach unten, bis wir an den Boden der Tatsachen aufkommen und dieser Aufprall ist oft hart und schmerzhaft.

Und unnötig.

Eine Frau wird an einen Mann gebunden. Sie wird sein „Besitz“ und auch wenn ihr jetzt aufschreien wollt, dass es nicht stimmt, dann schaut euch bitte mal um. Es gibt noch genug Länder, Glaubensrichtungen und Männer, für die das so ist. Und mit ihrem Besitz dürfen sie alles machen.

Wenn ihr einen Mann habt, bei dem es nicht so ist, dann seid euch bewusst, dass das eigentlich sehr Fortschrittlich ist. Denn selbst in meiner Generation ist dieses Denken noch vorhanden, wenn auch teilweise unbewusst.

Genauso wie noch immer von der Frau erwartet wird den Haushalt und die Kinder zu stemmen. Alleine, denn der Mann geht ja arbeiten. (Sicher geht das auch ohne Trauschein, allerdings gibt es eben doch noch wesentlich mehr verheiratete Paare als unverheiratete.)

Das bringt mich also wieder zur Frage zurück, wie ihr eine gute Ehefrau werden könnt. Was von der Gesellschaft, der Kirche und vor allem uns erwartet wird ist dieses Werbefernsehenehefraudasein.

Also lächelnd die 1000 Maschine Wäsche waschen, mehrmals täglich die Fenster putzen, weil die Kinder, die sonst so wohlerzogen sind, wieder draufgemalt haben, den Haushalt mit Links zu schmeissen, rechts das jüngste Kind stillen, an einem Bein ein weinendes Kind trösten, am Ohr mit dem Handy ein anderes weinendes Kind trösten und währenddessen das Essen kochen für den Mann, der, müde und hungrig, gerne nach seiner schweren Arbeit etwas auf dem Tisch hat. Wenn die Kinder dann im Bett sind, massiert die brave Ehefrau dem gestressten Mann die Füße oder gibt sich ihm Leidenschaftlich hin.

Fühlt mal in euch rein. Habt ihr nicht auch die Erwartung, genau das ohne Probleme zu machen bzw zu wollen? Dabei natürlich immer gut aussehen, geduldig und liebevoll sein und einfach perfekt alles hinzubekommen.

Wenn ihr jetzt nickt, keine Angst, ihr seid nicht alleine.

Es wurde unseren Eltern und Großeltern so suggeriert, es gab sogar Bücher darüber. In der Schule wurde Hausarbeit gelehrt und für die meisten Frauen gab es keine Ausbildungen oder die Chance dazu, denn sobald sie verheiratet war, müsse sie nicht mehr arbeiten gehen. Selbst heute noch wird in manchen Ländern den Frauen zumindest nahegelegt zu kündigen, sobald sie verheiratet sind.

Der Mann, der Ernährer und Beschützer der Familie. Wo er früher Mammuts und Säbelzahntiger gejagt und erlegt hat, jagt und erlegt er nun Kontoauszüge und Windows Programme. Unser Held.

Und wir kämpfen gegen Windmühlen. Wir kämpfen darum gute Frauen zu sein, eine gute Figur zu haben, eine gute Mutter zu sein, eine gute Hausfrau und arbeiten wollen wir auch noch.

Und dann kam der Feminismus.

Der kommt noch immer. Wir wollen nicht mehr nur „die Frau von“ sein, sondern uns selber verwirklichen. Wir wollen nicht mehr abhängig sein oder degradiert, nur weil wir Frauen sind. Wir wollen nicht mehr „nur“ Mutter, „nur“ Hausfrau sein. Also begehren wir auf.

Die Vorstellung einer guten Ehefrau bereitet uns Unbehagen. Weil wir noch immer dieses veraltete Bild im Kopf haben. Es gibt aber leider kein neues. Ausser, wir erschaffen es.

Dafür muss sich aber das Denken ändern und zwar bei allen. Fangen wir doch mit diesem Korsett an, welches sich Ehe nennt.

Das uns nun unser Dorf fehlt, die Gemeinschaft, in der alle alles zusammen gemacht haben, inklusive Kinder großziehen, das liegt u.a. auch daran.

Monogamie ist nicht natürlich.

Sie ist eine Erfindung, ein Zwang um Kontrolle zu haben und zu behalten. Vor allem über die Frau. Während der Mann seinen Schniedel ungestraft überall reinhängen durfte, wurde den Frauen eingeredet, wie schlecht Sex und der Gedanke daran sei. Jede Regung in diese Richtung war falsch.

Heute ist es so dass wir von unseren Partnern treue erwarten und das im jeden Preis. Wenn also ein Partner keine oder weniger Lust hat, dann muss zwangsweise der andere Partner leiden. Das ist gemein, wirklich. Und wenn er sich dann doch austobt, wird er verlassen und ist der Arsch.

Oder ein Partner überwindet sich immer und immer wieder zu Dingen, die er nicht will. Auch gemein.

Wer kann sich unter solchen Bedingungen frei entfalten? Wer kann dabei entspannt und ruhig sein? Weder der eine Part, der unter der unbefriedigten Lust leidet, noch der andere, der immer im Hinterkopf hat, dass der andere ja will. Das ist eine blöde Situation, die doch eigentlich nicht sein müsste. Warum darf sich der eine Part nicht austoben? Ich bin sicher, die Liebe wird dadurch nicht weniger. Die Situation entspannt sich, der Umgang miteinander wird entspannter und somit der gesamte Alltag. Miteinander und überhaupt.

Aber Sex ist ja nicht alles. Noch immer herrscht das Denken vor, der Haushalt sei „Frauensache“. Absoluter Blödsinn, aber das wissen wir ja bereits. Jeder, der in einem Haushalt wohnt, hat die Pflicht auch diesen Haushalt rein zu halten. Je nachdem, wie sauber es die Familie haben will, sollte jeder mithelfen. Wohnen ja auch alle da.

Aber das sind Dinge, die unsere Generation ändern kann, indem sie den eigenen Kindern so etwas vorlebt. Mädchen und Jungs gleichermaßen behandeln, gleiche Chancen, gleiche Erziehung. Und keine blöden Sprüche a’la: „Du willst Fußball Spielen? Aber Du bist doch ein Mädchen!“

Wir sind da auf dem Weg, das merke ich. Aber der Weg ist noch weit. Sehr weit.

Zurück zu meiner Eingangsfrage und wenn ihr bis hierhin gelesen habt, sollt ihr auch jetzt die Antwort kriegen:

Wie also werdet ihr denn nun zu einer glücklichen Ehefrau?

Ganz einfach: hört auf damit, eine zu sein. Seid das, was ihr seid: Mensch. Mit gleichen Rechten, Chancen und Pflichten in allen Dingen. Schaut auf euch, darauf, dass ihr ein Leben führt, das euch zufrieden stellt und lebt es, so gut es eben geht. Hört auf in Schubladen zu denken. Ihr seid toll, ganz egal ob der Herd nun geputzt ist oder nicht.

Wenn euch jemand nur dann liebt und wertschätzt, wenn ihr das macht, was von euch erwartet wird, dann ist er eure Zeit nicht wert.

Hört auf damit eine Werbeehefrau zu sein und seid einfach.

Punkt.

Namaste,

eure Mel

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