Wie frei bist Du wirklich?

Hast Du Dir darüber schonmal Gedanken gemacht? Klar, wenn Du nicht im Gefängnis sitzt, entführt wurdest oder sonstwie gefangen gehalten wirst, bist Du frei. Ganz logisch.

Aber…

Stimmt das auch? Wirklich?

Bist Du frei genug um jeden Tag das zu tun und zu lassen, was Du willst?

Wahrscheinlich nicht. Da ist der Job, die Kinder, der Mann, der Haushalt, Freunde, Familie, die Gesellschaft…

Du kannst nicht aufstehen, wann und wie Du willst. Du musst einfach Dinge machen. Um Deinen Lebensunterhalt zu verdienen, um Dir und Deinen Lieben essen kaufen zu können und/oder ihnen ein schönes Leben bieten zu können. Du musst sie zum Kiga/in die Schule fahren, auch wenn Du nicht arbeitest. Und selbst wenn ihr Kigafrei lebt, die Schule muss dann doch sein.

Das sind die Sachen, das ist uns allen klar.

Jaaa, okay, da sind wir nicht ganz so frei aber hej, wir dürfen uns aussuchen, wo und was wir arbeiten.

Ach ja?

Da nicht alle Menschen die gleichen Voraussetzungen haben (können), nicht das gleiche Umfeld, die gleiche Resillienz etc ist auch das nicht so. Jemand, der zB sehr gerne Arzt sein würde, kann sich ein Studium nicht leisten. Oder wird von seinem Umfeld so ausgebremst, dass die Person es lieber lässt (mit Sprüchen wie: das schaffst Du doch eh nicht. Oder: was willst du als Arzt, du kannst ja nichtmal einen Knopf annähen usw)

Andersherum kann jemand, der gerne etwas im sozialen Bereich wie Erzieher machen will, dies nicht umsetzen, da alle aus seiner Familie Ärzte sind und er ebenfalls dazu genötigt wird.

Du verstehst, was ich meine, oder?

Aber ja, immer noch sind wir trotzdem frei.

Wir können entscheiden, was wir wo kaufen.

Nun… Jaein. Klar, wir können uns zB dafür entscheiden, Nestlé zu boykottieren. Das setzt allerdings voraus ganz genau zu wissen, wo dieser Konzern überall mitmischt.

Wir können uns dafür entscheiden, statt beim Primark bei einem hochwertigeren Konzern unsere Hosen zu kaufen. Aber, was genau macht Dich so sicher, dass die Arbeitsbedingungen nicht ganz gleich sind? Und, davon ab, nicht jeder kann es sich leisten.

Wie frei sind wir da?

Gehen wir noch etwas näher in unser Leben. Unsere Kinder. Wie frei sind wir, sie so erziehen zu können und dürfen, wie wir es wollen?

Jeder, der seine Kinder anders erzieht als es „üblich“ (im Sinne von – die breite Masse) ist, wird wissen, was ich meine. Da aber eigentlich nichts wirklich üblich ist und jede Familie eine andere Einstellung hat, wird jeder wissen, was ich meine.

Das Kind wird nicht schreien gelassen – es hagelt Gegenwind.

Das Kind soll wenig süßes essen – Gegenwind.

Das Kind bekommt nur Holzspielzeug – Gegenwind.

Usw. Du weisst schon… Diese Liste könnte ich ewig fortsetzen.

Sobald dann noch bedürfnisorientierte Beziehung dazu kommt oder GOTTBEWAHRE ein Unerzogenes Konzept, nun, der Pranger steht da vorne, Du kennst ja den Weg.

Selbst die Menschen, die uns am nächsten stehen, wie Ehepartner*innen oder gute Freunde liefern uns kleine Kämpfe, Argumente und Gegenargumente. Wir können also nicht wirklich das machen, was und wie wir es wollen.

Selbst unsere Ernährung steht unter strengster Beobachtung.

Vegetarisch ist ja mittlerweile fast Salonfähig geworden, auch wenn das noch viel Unverständnis bedeutet.

Vegan ist dann ganz schlecht. Ganz, ganz schlecht. Fehlt ja alles. Nährstoffe und überhaupt. Total ungesund, der Mensch braucht Fleisch. Sobald sich also einer als Vegan „outet“ huh.. und wenn dieser Mensch dann noch Kinder hat, dann reicht selbst der Pranger nicht mehr. Am besten direkt verbrennen.

Also auch da ist nicht viel mit Freiheit, oder?

Unsere Sexualität steht ebenfalls unter Beobachtung. Sind wir etwas anderes als genormt hetero, dann sind wir schon falsch.

Davon aber ganz ab, gerade als Frau empfinde ich dieses Thema (und das Thema von unserem Aussehen) als alles andere als frei.

Uns wird, schon von Kindesbeinen an, vermittelt, wie eine (Ehe)frau zu sein hat: still, gefügig, ordentlich, sauber, brav und dankbar. Vielleicht sagen es uns unsere Mütter nicht direkt so, aber durch ihr Beispiel und Vorbild sehen wir es. Ich habe es ja bereits verbloggt mit diesem Artikel. Bist Du frei genug zu sagen, wann Du keinen Sex willst?

Wirklich so frei, dass Dein Partner ganz neutral reagiert und sagt, dass es okay ist. Auch beim 10, 20, 100 Mal? Oder ist es nicht, streng genommen, eher oft so, dass uns vermittelt wird, dass Sex dazu gehört und „der Hunger beim Essen kommt“? Ich habe so oft diesen „Rat“ gehört. Aber das ist nichts anderes als Nötigung. Denn wenn ich mich, obwohl ich es nicht will, darauf einlasse, ist es keine Freiheit mehr. Egal wie schön es umschrieben wird.

So wirklich richtig frei sind wir nicht. Egal in welchem Bereich. In der Werbung wird uns gesagt, was wir kaufen sollen, in Zeitschriften und Zeitungen wird uns gesagt, was wir glauben sollen, in unserer Beziehung wird uns gesagt, wie wir leben sollen, als Elter wird uns gesagt, wie wir die Kinder erziehen sollen etc PP. Mit Mal mehr und mal weniger Druck. Und je nach Charakter(stärke) sind wir in der Lage ins dagegen aufzulehnen, oder eben nicht.

Aber wie können wir das ändern, denn ich kenne keinen einzigen Menschen, den die eine oder andere Sache daran nicht stört.

Ich denke, wir können nur gemeinschaftlich etwas ändern. Indem wir zB toleranter werden, was andere Lebensweisen angeht. Denn eigentlich gehen die uns überhaupt nichts an.

Indem wir uns unterhalten und austauschen. Wenn wir wissen, bei meiner Freundin, meiner Nachbarin, ist es ähnlich mit ihren Problemen, dann fühlen wir uns schon nicht mehr alleine.

Mir ist bewusst, dass diese „Unfreiheit“ von der ich hier rede, eigentlich ein sehr hohes Niveau hat und dass es in anderen Ländern wesentlich schlimmer ist. So gesehen sind wir eines der freiesten Länder. Aber das zu vergleichen ist ja eben genau der falsche Ansatz. Statt zu sagen: hej, dem geht es aber schlechter und dann die Hände in den Schoß zu legen, sollten wir aufstehen, sehen, wo es schiefläuft und dann reagieren.

Oh, dem geht es schlechter als mir, Moment, ich helfe ihm.

Um das aber zu erkennen, ist es wichtig uns bewusst zu machen, was genau nicht stimmt. Ich bin sicher das wir alle latent (oder eben offen) Wissen, irgendwas stimmt nicht.

Es kann nicht richtig sein, dass wir uns ständig anhören müssen, was wir alles falsch machen (gerade als Elter).

Es kann nicht richtig sein, dass wir schneller, stärker, reicher, schöner und fitter sein müssen als alle anderen, weil wir sonst als faul und inkompetent erlebt werden.

Es kann nicht richtig sein, dass wir uns in unsere Ernährung reinreden lassen müssen.

Es kann nicht richtig sein, dass wir uns zu intimen Handlungen nötigen lassen müssen, weil es eben so gemacht wird bzw dazu gehört.

Nein. Einfach Nein.

Unsere Freiheit beginnt im Kopf. Und nur wenn wir es schaffen uns von den Zwängen und dem, was uns eingeredet wird, was wir haben und sein müssen, zu lösen, dann behalten wir diese Freiheit.

Das ist sehr schwierig, vor allem ganz alleine. Und es geht auch nicht in allen Bereichen. Aber es geht. Deshalb lasst uns zusammen daran arbeiten. Als freie Menschen, die wirklich frei sein wollen. Denn nur so können wir auch Frieden finden und geben.

Namaste,

Mel

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