Was die Kirche, die Bibel, Gott, das Patriarchat und Pommes gemeinsam haben.

Ich verspreche es, sie haben sogar mehr als eine Gemeinsamkeit. Aber dazu später mehr.

Ich fange mit dem Offensichtlichen an: Wenn Du Dir Gott vorstellst, wie sieht er aus?

Sicher mit langem, weissen Bart, einer weissen Robe… Männlich. Ein lieber, älterer Mann mit gütigen Augen, buschigen Augenbrauen und sanften Blick.

Irgendwie so, oder?

In der Bibel steht, dass wir uns Gott nicht vorstellen dürfen, das sei Blasphemie. Oh, hätte ich vorher sagen sollen, sorry. Aber keine Angst, dafür wirst Du nicht in die Hölle kommen oder so. Es gibt nämlich keine. Aber ich komme vom Thema ab.

Gott hat, laut Bibel, einen Sohn. Jesus. Wird gerne dargestellt als weisser (!!!) europäischer Mensch mit braunen, langen (glatten) Haaren… Das ist ja schon grundlegend falsch, Jesus wuchs in Jerusalem auf. Er war ziemlich sicher dunkelhäutig und hatte schwarze, lockige Haare. Ein Forensiker hatte sich dem mal angenommen und wenn es euch interessiert, könnt ihr hier schauen.

Nach Jesus‘ Tod fing langsam das Christentum an. Zuerst wurden seine Geschichten, wie es zu dieser Zeit unter den „einfachen“ Leuten üblich war, von Mund zu Mund übertragen. Irgendwann kamen dann Mönche auf die Idee, diese aufzuschreiben. Das war allerdings bereits ca. 100 Jahre nach ihm.(1)

100 Jahre. Das sind in etwa 3 Generationen. Das heisst, seine Geschichte wurde hunderte, tausende Male erzählt.

Kennt ihr das Spiel „stille Post?“ Dabei flüstern sich mehrere Menschen etwas ins Ohr. Der erste fängt mit einem willkürlichen Satz an, zum Beispiel:“Morgen wird das Wetter schön.“ Das flüstert er seinem Nachbarn ins Ohr. Dieser flüstert das, was er verstanden hat, wieder seinem Nachbarn ins Ohr usw. Der letzte in der Reihe muss dann sagen, was bei ihm angekommen ist. Es ist immer etwas anderes als das, was ursprünglich gesagt wurde.

Das ist in einer Generation und wird von ein paar Menschen weitergegeben. Jetzt stellt euch vor, was genau am Ende steht, wenn 3 Generationen so etwas weitergeben. Jeder gibt seinen Senf dazu, jeder gibt das weiter, was er verstanden hat.

Das ist ein himmelweiter Unterschied, denn jedesmal wird das, was wir sagen von dem anderen so verstanden, wie es in sein Weltbild passt.

Okay, also weiter.

Die Mönche tragen also diese Geschichten zusammen und schreiben sie auf.

Kirchen gab es dabei allerdings auch schon (2) nur halt nicht in der heutigen Form.

Diese bildete sich nach und nach aus, ebenso wie die Bibel sich ausbildete. Sie wurde Grundlage für den Glauben und stand für Gottes Wort. Die Priester kamen, wurden mächtige Männer und bekamen immer mehr Macht.

Sie bekamen Macht über das Volk, denn sie kannten das Wort Gottes. Sie bekamen Macht über die Herrscher, denn da sie von Gott gesandt waren, standen sie über weltlichen Herrschern.

Sie bestimmten die Geschicke der Menschen nach ihrem Willen. Und wurde dieser nicht befolgt, dann drohten drakonische Strafen. Nicht nur von Gott, auch bereits auf der Erde wurde in seinem Namen gefoltert, gemordet, geschändet, gebrandmarkt und getötet.

Die Menschen bekamen Angst vor diesem Gott, der nur Rache kannte, der bestrafte, sobald jemand seine Gebote brach und sei es nur in Gedanken. Gott und die Hölle wurden zum Alptraum des (einfachen) Menschen.

Die Macht der „Überbringer“ seiner Botschaften wuchs ins unermessliche.

Damit wuchs die Macht der Männer.

Frauen waren, laut der Kirche, aufgrund Evas Sündenfall, unrein. Sie waren die Schlangen an der Brust der ehrlichen und gütigen Männer. Sie waren die Verführerinnen und die Schuldigen daran, dass die Menschen nicht mehr im Paradies lebten. Frauen wurden infolgedessen unterdrückt, sie mussten bestraft werden. Die Männer bestimmten, wen sie heiraten mussten, sie bestimmten die Anzahl der Kinder und alles, was das tägliche Leben betraf. Frauen waren Freiwild für die (Ehe)männer.

Auch (oder gerade) in der Bibel sind Frauen sehr schlecht dargestellt. Das prominenteste Beispiel ist, wie bereits geschrieben, Eva, direkt gefolgt von der „Hure“ Maria Magdalena.

Und so hatten die Männer auch die Berechtigung, Frauen mies zu behandeln. Wegen uns sind sie ja aus dem Paradies vertrieben worden. (Dass Adam den Apfel nicht hätte nehmen müssen spielt dabei anscheinend keine Rolle.)

Die Kirche, deren Vertreter und die Männer redeten den Frauen tagtäglich ein, wie unwürdig, schlecht und furchtbar sie seien. Dass sie nichts Gutes verdient hätten. Nichts Gutes seien. Und nichts Gutes hervorbringen könnten, außer Söhnen.

Über Jahrhunderte wurde dies allen Mädchen und Frauen erzählt. Sie glaubten es. Denn was in der Bibel stand, was Gott gesagt habe, das ist wahr. Immer. Grundsätzlich.

Wir wissen selber aus unserer Kindheit was mit den Sätzen passiert, die wir immer wieder hören, egal ob es nun gute oder schlechte Zuschreibungen sind. Wir glauben sie und sie wirken ein Leben lang nach.

Was also passiert dann mit einem kollektiven Gedächtnis, wenn mehrere Generationen lang Zuschreibungen gemacht werden?

Diese Zuschreibungen werden ungefragt übernommen, sie wandern ins Unterbewusstsein und wirken dort weiter. Und sie werden weitergegeben. Bewusst, aber oft unbewusst.

Denkt an eure Kindheit. Wie war es als junges Mädchen?

Durftet ihr laut sein, auf Bäume klettern, euch raufen? Durftet ihr mit Autos statt Puppen spielen? Durftet ihr kurze Haare haben? Durftet ihr irgendwas, was ein Junge durfte?

Wie war es mit euren Müttern? Was wären sie für ein Vorbild? Und wie gingen sie mit euren Vätern um? Und umgekehrt, wie gingen eure Väter mit euren Müttern um, wie mit euch, wie mit Jungs?

Von Anfang an sind Mädchen diskriminierungen ausgesetzt, mal mehr, mal weniger heftig.

Ich durfte auf Bäume klettern, mit Dinosauriern spielen und musste nicht ständig Kleider tragen. Aber das war eher die Ausnahme. Als ich mir mit 11 die Haare kurz hab schneiden lassen (sehr kurz!) hat meine Mutter geweint. Die schönen Haare. Ich wurde in der Schule ausgelacht als „Läusekopf“, durfte nicht mehr aufs Mädchenklo, weil ich „wie ein Junge“ aussah.

Dann werden Mädchen größer, sie wollen eine Ausbildung anfangen. Noch heute gibt es bestimmte „Frauenberufe“ und eben „Männerberufe“. Ich weiss noch, wie ich auf einer Veranstaltung nach Infos für eine Maurerausbildung gefragt habe. Ich habe keine bekommen. Aber das sind im Prinzip zwar Auswirkungen, aber die richtig üblen Sachen kommen, sobald eine Frau Kinder hat.

Nie in ihrem Leben macht sie sich so abhängig, auf so viele Arten, wie zu ihrer Zeit als Mutter. Und so angreifbar. Und nie kann sie mehr verletzt werden. Schon die Aufgabenverteilung innerhalb der Familie ist oft unfair. Darüber habe ich bereits in einem vorherigen Artikel geschrieben. Sobald die Frau dann aber den Mann verlassen will, kommt seine Macht erst so richtig zum Tragen.

Über die Kinder kann er das Leben weiterhin bestimmen. Über die Höhe des Unterhalts, die Umgänge, Gerichtsverhandlungen…

Egal, was wir Frauen vorher geleistet haben, mit der Geburt der Kinder ist es (oft) null und nichtig.

Lt. der Website Herstory-History gibt es das Patriarchat erst seit 6.500 Jahren. Vorher, also bis 500.000 Jahre vor unserer Zeitrechnung, gab es das Matriacharchat, also eine Gemeinschaft in der die Frauen und Mütter im Zentrum standen. (3)

Das heisst, erst 1,3% der Zeit, die es uns gibt, gibt es auch das Patriarchat. 98,7% war es anders. Und doch sind diese 98,7% verschwunden.

Und nun stehen wir da, wir Mädchen, Frauen, Mütter, wir wollen etwas anderes als unsere Mütter, etwas besseres. Eine freiere, gerechtere Gesellschaft für unsere Kinder. Und leben doch tagtäglich im Hamsterrad zwischen Haushalt, Arbeit, Kinder und Mann, wenn es einen gibt. Mittlerweile sind sehr viele Frauen Alleinerziehend und wuppen das alles auf ihren Schultern, oft alleine. Und müssen sich dafür noch schämen, denn noch immer gilt oft, die Frau hätte sich eben mehr Mühe geben sollen in der Ehe.

Wir müssen uns wieder daran erinnern, welche Kraft in uns steckt. Was wir können und wer wir sind. Wenn wir eine andere Form des Zusammenlebens haben wollen, eine Gemeinschaft, die von Respekt, Wertschätzung, Liebe, Güte und Emphatie geprägt ist, dann müssen wir aus diesem Hamsterrad aussteigen. Unseren Kindern zeigen, dass es anders geht. Widersprechen, wenn wir diskriminiert werden und zwar jedes! fucking! Mal!

Aber ganz zuerst müssen wir uns darüber bewusst werden, dass das überhaupt passiert. Die Diskriminierung. Das Herabsetzen von uns und unseren Fähigkeiten, von unserer Arbeit. Das lächerlich machen, wenn wir Zuhause bei den Kindern sind. Oder einen „Männerberuf“ wollen. Es sind die Kleinigkeiten, die das alles ausmachen.

Auch die großen, schlimmen Dinge wie Gewalt, Vergewaltigungen, Mobbing, sexuelle Übergriffe, Überfälle etc pp haben ihren Ursprung in den kleinen Dingen. Im sehen, erleben und nachmachen von dem, wie eins mit Frauen umgehen kann und darf.

Eine Veränderung beginnt bei uns Zuhause. Mit unserem Mann. Unseren Kindern. Wir müssen unseren Töchtern und Söhnen ein Vorbild sein.

Zeigen wir ihnen, was in uns steckt. Und nehmen uns und unsere Arbeit, egal wie sie aussieht, egal wie wir aussehen, wieder ernst. Und fangen wir damit an, andere auch dazu zu bringen, sie ernst zu nehmen.

Was haben also die Kirche, die Bibel, Gott, das Patriarchat und Pommes gemeinsam?

Nun, die Kirche, die Bibel, Gott und das Patriarchat sind alle eine Erfindung von letzterem. Durch die Kirche, die Beschreibung Gottes und der Bibel konnte sich das Patriarchat festsetzen. Alles ist dort Männlich. Die Dreifaltigkeit – Männlich. Gott, Jesus und der heilige Geist. Maria ist nur eine Nebenfigur. Zufällig die Mutter von Jesus. Eine Ziege wäre auch blöd gewesen. Musste ja eine Frau sein.

Die Männlichkeit haben sie gemein.

Und die Pommes?

Ich bin der Meinung, Gott ist ein Neutrum. Eine Energie, die alles durchdringt, in allem und jedem zu finden ist, also auch in Frauen. Ergo hat „mein“ Gott mit der Kirche ungefähr so viel zu tun wie Pommes mit Erdbeermarmelade.

Nichts.

Namaste,

eure Mel

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