Entscheidet euch.

Ich möchte euch eine Frage stellen.

Stellt euch vor, ihr liegt an einem Abhang. Ihr haltet mit jedem Arm einen Menschen fest, der droht, in den Abgrund zu stürzen und zu sterben.

Aber ihr müsst euch entscheiden.

Denn ihr habt keine Kraft um beide zu retten und einer von beiden wird sterben müssen. Ihr müsst entscheiden, wer.

Bevor ihr euch entscheidet, erzähle ich ein wenig über diese Menschen:

Auf dem rechten Arm hängt ein reicher Mann, der euch verspricht, wenn ihr ihn rettet, wird er einem kranken Kind das Leben retten.

Links hängt eine Frau. Sie ist arm und kann euch nichts geben. Sie ist alt und krank und wird eh bald sterben müssen.

Relativ einfach, oder?

Okay, ihr dürft nun in die Seelen dieser Menschen schauen. Der Mann ist grausam. Er verprügelt seine Frau und seine Kinder, zudem ist er Pädophil und hat sich schon öfter an seiner Tochter vergriffen.

Die Frau dagegen ist eine Seele von Mensch. Sie hat dutzenden Menschen das Leben gerettet, sie hat ehrenamtlich in einem Krankenhaus in Indien gearbeitet und Kinder auf die Welt gebracht, ihnen teilweise ebenso das Leben gerettet. Auch den Müttern. Sie war immer für andere da und hat viele, viele gute Dinge getan.

Jetzt ist es schon etwas schwerer, oder?

Aber es geht noch weiter. Ihr dürft in die Zukunft dieser Menschen schauen.

Der Mann wird sein Versprechen halten und ein Kind wird gesund und kann ein ganz normales und langes Leben führen. Aber der Mann wird Berater eines Staatsoberhauptes und überredet ihn, eine Bombe auf ein eh schon gebeuteltes und armes Land zu werfen, die hunderten Menschen das Leben kosten wird.

Die Frau wird noch 20 Jahre leben und in dieser Zeit genau gleich vielen Menschen das Leben retten.

Das heisst, ihr steht vor der Wahl – rettet ihr ein Kind und lasst dafür viele Menschen sterben?

Oder rettet ihr diese Menschen und sogar noch mehr, lasst dafür aber ein unschuldiges Kind sterben?

Puh…

Warum ich das Frage? Weil es etwas mit uns zu tun hat. Stellt euch vor, dieses Kind, das seid ihr. Ohne mit der Wimper zu zucken, würdet ihr die Frau retten. Ihr würdet lieber sterben, als andere in den Tod zu schicken, oder?

Diese Entscheidung fällt uns leicht. Weil eben ganz klar ist, da ist der böse Mann und dort die gute Frau. Aber wir alle tragen beide in uns. Und beide haben Anteile des anderen in sich.

Das heisst, der böse Mann ist nicht nur ein Arsch. Er hat auch gute Seiten. Und wenn es nur eine einzige Sache ist, wie zum Beispiel Geld spenden für die Krebsforschung.

Und die gute Frau ist nicht nur gut. Vielleicht ist sie Alkoholikerin und ist im Rausch alles andere als nett und geduldig.

Egal was, der Mensch, den wir retten, wird unser Leben bestimmen. Dabei treffen wir diese Entscheidung aber jeden Tag aufs neue, manchmal sogar mehrmals. Entscheiden wir uns für das Geld, die Macht, für den Weg der Gewalt bedeutet?

Oder nehmen wir den sanfteren Weg, den der Geduld, der Liebe und der Rücksichtnahme?

Unsere eigene Geschichte spielt dabei ebenso eine Rolle wie das Bild, was wir von uns haben und auch haben wollen. Wie sehen wir uns? Was wollen wir erreichen? Und vor allem – trauen wir uns überhaupt zu, etwas erreichen zu können?

Wir finden das natürlich alles ganz furchtbar schrecklich, was so auf der Welt passiert, aber was kann ein einzelner schon ändern?

Was hat denn Ghandi verändert?

Oder Jesus oder Alexander der Große?

Einzelne Menschen.

Aber mit Visionen. Sie haben daran geglaubt, diese Welt zu verändern und sie haben es geschafft.

Was also hat das jetzt mit dieser Entscheidung zu tun?

Ganz einfach: ich bin der Meinung, jeder kann die Welt verändern und wir stehen jeden Tag vor der Entscheidung, das zu tun – oder eben nicht. Wir können nicht auf der einen Seite sagen, wie schlimm das alles ist und uns aber auf der anderen Seite immer gleich verhalten.

Was diese Welt ganz dringend braucht ist die Erkenntnis, dass jeder einzelne es in der Hand hat, sie zu ändern. Indem er sich ändert.

Wir sind der Mann – denn auch wir haben einen grausamen Kern, jeder von uns.

Wir sind die Frau – denn auch wir haben einen guten, liebenden Kern in uns.

Wir sind das Kind – denn auch wir haben ein inneres Kind in uns, das nur eines will und braucht: geliebt werden.

Alles hängt zusammen und es liegt an uns, wie wir das nutzen, denn jede Entscheidung macht was mit uns.

Jede einzelne.

Die Frage ist: macht es was Gutes oder nicht? Bereichert es uns und unser Leben, oder zerstört es eher?

Bevor ihr also vorschnell urteilt, nehmt euch etwas Zeit – nur einen Atemzug lang – und stellt euch die Frage, was ihr für diese Welt wollt, für euer Leben und das Leben von den Menschen, die mit euch zu tun haben.

Namaste,

Mel

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