1+1

Kennt ihr das?

Er sagt: „Ich gehe ja schließlich arbeiten UND helfe dir!“

Sie sagt: „Dafür stehe ich in der Nacht auf“

Er: „Und ich stehe morgens früh auf mit den Kindern, damit du noch schlafen kannst.“

Und so weiter. Ich bin sicher, solche Streitgespräche kennt ihr. Und das sie schädlich sind, wisst ihr bestimmt auch.

Aber dass sie euch innerlich auffressen, wisst ihr das auch?

Nicht die Gespräche an sich, aber das, woraus sie gemacht sind: nämlich aus dem Aufrechnen.

Mir ist aufgefallen, dass es sehr viele Menschen machen, gerade in einer Beziehung. Dabei ist es egal, ob es sich um eine Beziehung zu einem Partner handelt, oder zu den Kindern oder den eigenen Eltern, oder Freunden… Wir rechnen auf, alles.

Ein Beispiel habe ich ja schon genannt, aber es gibt noch viele mehr:

– Sie räumt die Spülmaschine aus, immer. Er macht das nie (+ 1)

– Sie kümmert sich immer um die Wäsche (+1)

– Sie steht jede Nacht alleine auf (+1)

usw

Mit den Kindern ist es gleich:

– Sie hat schon wieder das Zimmer der Kinder alleine aufgeräumt (+1)

– Sie hat sich um die Hausaufgaben der Kinder gekümmert (+1)

– Sie hat die Tochter zur Freundin gefahren und abgeholt (+1)

usw.

– Sie hat wieder für ihre Mutter eingekauft (+1)

– Sie ist mit ihrem Vater zum Arzt gefahren (+1)

– Sie hat den Frisör für die Eltern ins Haus geholt (+1)

Usw

– Sie hat ihrer besten Freundin zum Geburtstag die teuren Schuhe geschenkt, die sie unbedingt haben wollte (+1)

– Sie hat ihr zugehört, obwohl sie eigentlich keine Zeit hatte (+1)

– Sie ging mit ihr in diese Schnulze, obwohl sie eigentlich keine Lust hatte (+1)

Usw.

Irgendwann hat sie eine ziemlich große Zahl von dem, was sie alles macht. Für jede Zahl, die sie sich anrechnet, zieht sie ihrem Partner -1 ab. Die Waage zeigt dann schnell ein Ungleichgewicht.

Ich denke, ihr wisst, worauf ich hinaus will. Für jedes +1, das wir uns selber geben, ziehen wir -1 dem Gegenüber ab.

Aber wir können uns über unser großes Plus nicht freuen. Wobei es doch eigentlich etwas gutes ist.

Oder?

Nein. Ist es nicht. Weil wir für uns mit jedem Plus besser dastehen. Im ersten Moment fühlen wir uns vielleicht sogar gut damit. Schau mal, was ich alles schaffe. Schau mal, was ich mache. Was ich kann. Was ich FÜR DICH!!! auf mich nehme.

Und genau da fängt es an uns zu schaden.

Für Dich? Wirklich?

Räumt ihr wirklich nur für ihren Partner die Spülmaschine aus?

Oder kümmert ihr euch nur für euren Partner um die Wäsche?

Steht ihr nur für euren Partner jede Nacht auf?

Räumt ihr nur für eure Kinder die Zimmer auf?

Oder macht die Hausaufgaben?

Oder fährt sie zu Freunden?

Geht ihr wirklich nur für eure Eltern einkaufen?

Oder nur für den Vater mit ihm zum Arzt?

Oder holt den Friseur nur für die Eltern ins Haus?

Was ist mit der Freundin? Diese sauteuren Schuhe, die ihr ihr gekauft hat. Da hattet ihr nun wirklich nichts von!!

Und die Zeit, die ihr euch immer nehmt für die Freundin oder diese Schrecklichen Filme. Was bitte, hat sie davon?

Nichts!

Hat sie davon nicht auch was? Nein?

Ich sage, sie hat da sogar eine ganze Menge von und macht es, solange sie das alles aufrechnet(!!) auch (und vor allem) für sich.

Nochmal: es geht dabei um das Aufrechnen. Es ist ein großer Unterschied, wie jemand an eine Sache rangeht.

Damit meine ich:

-Sie räumt die Spülmaschine aus. Weil es wichtig ist, weil sie dafür gerade Zeit hat und das saubere Geschirr braucht. Der Partner macht es auch ab und an, aber unregelmäßiger, weil er aber auch weniger Zuhause ist.

– Sie macht die Wäsche, damit alle etwas sauberes zum Anziehen haben. Weil es ihr auch wichtig ist, dass alle ordentlich aussehen.

– Sie steht Nachts auf, weil sie weiss, dass die Kinder sie brauchen und sie hört sie eher als ihr Mann. Warum sollte sie ihn wecken, wenn er noch schläft und sie eh schon wach ist?

– Sie räumt die Zimmer der Kinder ab und zu auf, weil sie es gerne ordentlich hat und den Kindern es egal ist, wie es aussieht

– Sie fährt die Kinder zu den Freunden, weil sie weiss, dass sie dann auch etwas Zeit für sich hat.

– sie geht für die Eltern einkaufen, weil sie sonst verhungern würden oder nur von Nudeln leben müssten und das kann sie ihnen nicht antun

– sie geht mit dem Vater zum Arzt, weil er Schmerzen hat und sie ihn nicht leiden sehen kann und will

-sie holt den Friseur, weil ihre Mutter sich darüber immer so freut und sie sich auch gleich die Haare machen lassen kann.

Wenn man diese Dinge aus diesem Blickwinkel betrachtet, sieht das alles schon anders aus, oder?

Im Prinzip kann es ihr doch egal sein, ob die Spülmaschine ausgeräumt ist, die Freundin sich die Augen ausheult oder die Eltern verhungern.

Ist es aber nicht. Niemandem von uns ist sowas egal. Und es geht dabei um alle Dinge im Leben.

Wirklich. Komplett. Alle.

Wir machen diese Dinge aber auch, weil wir die Menschen, für die wir es machen, lieben. Wir wissen, wir machen ihnen eine Freude damit. Wir zeigen ihnen so, dass sie für uns wichtig und wertvoll sind.

Wenn man es so betrachtet, haben dann nicht alle viel mehr davon? Statt zu denken: ich muss mal wieder…

Einfach denken: ich mache, weil…

Ganz ohne Wertung und Punkte. Dann wird sich die Waage wieder etwas neigen und vielleicht können wir dann über unseren Tellerrand sehen, dass die anderen auch viel für uns machen.

Der Mann, der arbeitet und tatsächlich im Haushalt und mit den Kindern mithilfe. (Und ich finde nicht, dass es selbstverständlich ist, aber das wird ein eigener Artikel.)

Die Kinder, die beim Kochen helfen, auch im Haushalt was machen, obwohl sie selber mit Schule, Vereinen und Freunden viel zu tun haben.

Die Freundin, die auch Nachts ein offenes Ohr hat und immer für einen Lacher sorgt.

Die Eltern, die Mützen, Socken und Schals stricken oder mit Tipps zur Reparatur von quasi ALLEM immer zur Seite stehen.

Jeder von uns macht irgendwas für jemand anderen, immer. Manchmal sehen wir es nicht so, weil wir andere Erwartungen haben oder unsere Waage schon so weit nach unten zeigt, dass es zu dunkel ist, um noch etwas zu sehen.

Das meine ich damit, wenn ich sage, dass es uns auffrisst. Wir rechnen das an, was wir machen und alles andere wird negiert. Das wird uns auf Dauer sehr unglücklich machen.

Achtet mal darauf und ihr werdet überrascht sein, wo und wann das „passiert“. Und dann entscheidet euch, ob ihr das wirklich so weitermachen wollt, oder ob ihr lieber damit aufhören wollt, eure ganzen Rechnungen in die Tonne schmeissen wollt und euch darüber freut, dass ihr Partner, Kinder, Eltern und Freunde habt, für die ihr etwas machen dürft.

Weil ihr sie liebt und sie euch.

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