…und weiter?

Ich bin allein. Ich sitze auf der Leiter eines Hochsitzes in einem kleinen Wald.

Hinter mir höre ich die Autos von der nahen Autobahn. Vor mir einen Bussard. Ein kleiner Bach plätschert neben mir.

Ich rieche die Waldluft, feucht, erdig. Genau das, was ich jetzt brauche.

Stille.

Die relative Stille eines Waldes.

Kein Geschrei, kein weinen, kein jammern, kein andauerndes 24Stundenlanges an mich klammern, „Mammaaa“ rufen.

Atmen.

Einatmen. Ausatmen.

Und überlegen.

Der schwarze Hund ist da. Er begleitet mich, er schnappt nach mir. Er zerreisst mich in Fetzen. Er bellt über die Vergangenheit, er knurrt über die Zukunft. Er kackt mir ins Wohnzimmer und sagt „selber Schuld.“

Ich würde mich gerne fallenlassen. Mich zerreissen lassen, statt immer nur zu kämpfen, zusammenzuflicken oder in den Keller zu bringen, für später.

An Tagen wie heute, da fehlt mir die Kraft. Mir fehlt die Kraft angemessen mit meinen Kindern zu spielen. Sie zu trösten, für sie da zu sein. Wenn dann mein Mann noch was von mir will, wird es schnell zuviel.

Dann streiten wir. Dann steht die Frage im Raum, wie lange noch? Wir lange soll/muss ich das aushalten?

Nicht nur bei mir, er fragt sich das auch.

Wie gerne würde ich loslassen. Die Vergangenheit. Wie gerne würde ich den ganzen Rotz einfach da lassen, wo er hingehört – ganz weit weg.

Wie gerne würde ich ein normales, gesundes und glückliches Leben führen können.

Wie gerne würde ich endlich aufhören, die Flicken zusammenzunähen.

Mich fallenlassen. Und endlich Frieden finden.

Aber ich weiss, dass es keinen Sinn macht. Dass ich dann alles, was ich bis jetzt erreicht habe, wieder verliere.

Meine Kinder. Mich. Dieses Leben.

Also seufze ich nur. Und flicke weiter. In der Hoffnung, dass es irgendwann was bringt. Dass der Hund weggeht. Dass die Vergangenheit ruhe gibt.

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