Warum Vergebung wichtig ist – für den Vergebenden

Es ist bald Weihnachtszeit und traditionell auch die Zeit einer Rückbesinnung auf das, was wirklich wichtig ist im Leben.

Die Kinder, der Partner, die Familie…

Aber auch wir.

Ich will euch deshalb ein wenig etwas über Vergebung erzählen, ein Thema welches, zumindest in meinem Leben, wahnsinnig wichtig ist. Denn auch das gehört zur Seelenpflege von uns. Und zum Lernprozess.

Ich habe in meinen Beiträgen ja schon das eine oder andere Mal anklingen lassen, dass meine Kindheit und Jugend eher suboptimal war. Ich habe viel Scheisse erlebt, um es kurz zu sagen, und da haben auch meine Eltern einen großen Anteil dran. Einen Anteil, an dem ich teilweise heute noch zu knacken habe. Lange Zeit war ich wütend und traurig. Es war alles so furchtbar ungerecht.

Warum gerade ich? Warum wurde ich nie geliebt, warum wurde ich misshandelt? Warum wurde gerade ich gemobbt und geschlagen und war immer Außenseiterin? Das war so gemein vom Leben und ich war so arm, das arme kleine Opfer.

Das war ich sehr lange. Bis mir ein paar Dinge klar wurden:

– Ich bin Erwachsen und kann selber bestimmen, was ich wann und wie mache

– Solange ich an dieser Opferhaltung festhalte, bin ich gelähmt. Sie bremst alles andere aus (durch das denken, ich bin eh ein Opfer (ich bin es nicht wert), warum also was ändern?)

– Solange ich diese Wut in mir habe, geht es mir schlecht

– Solange ich deshalb in der Vergangenheit lebe, geht es mir auch schlecht

– Solange ich die Situation nicht annehme und nur darüber nachdenke, was ich gerne hätte, werde ich es nie bekommen

– Solange ich verharre in der „es ist alles so ungerecht“ Position, bleibe ich auch da

– das, was ich denke ist das, was mir begegnet (ein einfaches Beispiel: denkt mal an eine Schwangere. Oder an rote Autos. Ich wette mit euch, in eurer Umgebung werden bald nur noch schwangere mit roten Autos rumfahren)

– diese ganze negativen Gefühle und Gedanken fressen mich auf

Und jetzt kommt noch ein besonderer Gedanke, der mein Leben verändert hat:

– alle, die mit mir in meinem Leben interagiert haben, egal wie (!!) haben das einzige getan, was sie in diesem Moment tun konnten. Warum auch immer, sie konnten nicht anders und im Falle meiner Eltern wusste ich, dass sie immer und zu jederzeit das Beste gegeben haben, was sie geben konnten.

Das war ihre Art mir ihre Liebe zu zeigen und mich auf das Leben vorzubereiten.

Wumm.

Ganz ehrlich, diese ganzen Erkenntnisse kamen innerhalb mehrerer Jahre zu mir und vor allem die mit meinen Eltern haute mich erstmal um.

Denn das machen wir doch alle, irgendwie. Wir geben jederzeit für jeden Menschen in unserer Umgebung unser bestes. Natürlich variiert das, je nach Beziehung zu diesem Menschen, doch die wenigsten wollen jemanden absichtlich Schmerzen zufügen. Wenn wir es doch tun, haben wir einen Grund dafür. Wir sind vielleicht selber verletzt oder wollen uns oder andere Schützen.

Und deshalb ist Vergebung so immens wichtig. Weil uns mit Sicherheit niemand absichtlich Schaden zufügen wollte, nur um uns leiden zu sehen (ja doch, auch diese Menschen gibt es, aber die sind selber „Opfer“ ihrer Blase und können nicht anders handeln).

Wir haben auch schon andere Menschen verletzt, mal mehr und mal weniger. Aber wir haben es getan und aus unserer Sicht hatten wir IMMER einen guten Grund dafür.

Die anderen aus ihrer Sicht auch.

Es bringt nichts, sich auffressen zu lassen. Es lebt sich leichter, wenn wir vergeben und uns vor Augen halten, dass auch wir wollen würden, dass uns vergeben wird, wenn wir Mist gebaut haben.

Ihr müsst es den Menschen, denen ihr verzeiht auch nicht sagen, wenn ihr nicht wollt. Vornehmlich macht ihr es nämlich für euch.

Wenn ihr das verinnerlicht habt und geschafft habt, umzusetzen, werdet ihr merken, dass da noch was ist.

Es gibt einen Menschen in eurem Leben, bei dem es euch fast unmöglich erscheint, ihm zu vergeben. Jeder seiner Fehler, und war er noch so klein, ist unverzeihlich.

Jede falsche Entscheidung, jeder Satz, der wehgetan hat, alles wird bis ins Detail auseinander genommen, immer und immer wieder und nichts, rein gar nichts davon ist würdig, vergeben zu werden.

Dieser Mensch, das seid ihr selber.

Uns selber zu vergeben ist eine der schwersten Aufgaben in diesem Leben, aber auch eine der Wichtigsten.

Ich habe meinen Eltern vergeben. Ich habe allen Menschen vergeben, die mir wehgetan haben, egal wie sehr, egal warum. Das war ein Prozess, der noch immer andauert, denn es kommen immer wieder neue Verletzungen hinzu. Das ist normal, es reicht ein Streit, ein doofes Wort, manchmal sogar nur ein Blick. Ich halte mir immer wieder vor Augen, dass wir alle zu jeder Zeit immer das Beste geben, was wir zur Verfügung haben. Das hilft.

Aber mir selber kann ich (noch) nicht vergeben. Ich bin mir aber sicher, wenn ich weiter daran arbeite, kann ich es.

Irgendwann.

Wenn ihr vergebt, lasst ihr los. Und ihr seid freier für die guten Dinge, die definitiv da sind und nur darauf warten, von euch bemerkt zu werden.

Ich wünsche es euch von Herzen, dass ihr das hinbekommt.

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