Meine, Deine, unsere Welt

Was mich oft umtreibt und auch schon immer fasziniert hat, ist der zwischenmenschliche Umgang. Es ist interessant zu sehen, dass es überhaupt irgendwie funktioniert, denn immer wieder kommt es zu Missverständnissen.

Jeder, der sich auch nur ein wenig mit Kommunikation beschäftigt hat, wird wissen, wer Schulz von Thun ist und was es mit den 4 Ohren auf sich hat. Aber da ist noch mehr.

Nehmen wir an, jeder Mensch lebt von Anfang an, also zu der Zeit, wo er noch im Bauch seiner Mutter war, in einer Seifenblase. Und alles, wirklich alles wird dort gespeichert. Alles Gute und Schlechte, alle Liebe, die er bekommt, oder alle Schläge usw.
Jede einzelne Verletzung wird dort gespeichert wie jeder Kuss. Das heisst, wir sind über 8 Milliarden Menschen und somit über 8 Milliarden Seifenblasen. Wir können auch nicht aus ihr heraus. Das wiederum heisst, dass alles, was uns gesagt wird, was wir sehen, hören, fühlen etc erst durch die Haut der Seifenblase gefiltert wird und dann durch die ganze, angefüllte „Luft“ unseres Lebens dringen muss, bis es bei uns ankommt. Also kommt es eigentlich total verfälscht bei uns an.

Das ist aber noch nicht alles. Denn bereits, wenn uns etwas gesagt wird, ist es gleich. Person A sagt etwas. Das geht durch die „Luft“ seiner Seifenblase, durch die Haut derselben, dringt dann durch die Haut der Seifenblase von Person B, geht durch seine „Luft“ und kommt dann in sein Ohr. Und so ähnlich wie bei der stillen Post kommt meist was ganz anderes an.

Das ist oft hart, was durch meine Blase kommt und dementsprechend reagiere ich oft. Es ist mein Leben, welches da spricht und nicht der Mensch, der vor mir steht. Es ist meine Mutter, mein Vater, meine Mitschüler, alle, die mir jemals das Gefühl gaben, falsch zu sein.

Und so ist es mit uns allen. Wir sind verletzt, wir sind wütend, wir sind traurig, nachdenklich oder glücklich, aufgrund dessen, was unser Leben uns rausfiltert aus der neutralen Wirklichkeit und in unsere, ganz individuelle Wirklichkeit überträgt.

Das ist jetzt nichts bahnbrechend neues, aber ich glaube, es ist uns einfach nicht so bewusst, dass es was ändern könnte.

Wenn wir nur für einen Moment den Filter unserer Seifenblase versuchen wegzulassen und nur das hören oder sehen, was tatsächlich gesagt wurde, kann das schon eine Menge bewirken. Bei uns, aber auch bei unserem Gegenüber. Wenn wir verletzt sind, sollten wir erst schauen, was genau hat uns verletzt und warum? Welche Teile UNSERES Lebens spielen da gerade rein?

Den Filter können wir nicht loswerden, aber wir können uns bewusst werden, das wir einen haben. Und so eventuell in der Lage sein, über ihn hinauszuschauen und zu sehen, dass jeder einen hat. Und damit mehr Verständnis aufbringen für andere.

Wir sind alle nur das Produkt unseres Lebens und natürlich können wir uns darauf nicht ausruhen und sagen, hej ich bin ein Arsch, aber das Leben hat mich dazu gemacht.
Wir können sagen, das Leben war Scheisse zu mir, aber ich bin in der Lage, es zu ändern. Ich kann was Gutes draus machen und damit die Welt ein wenig verbessern.

Und das ist schon ein kleiner Anfang. Über unseren Filter hinausschauen. Probiert es aus, ich würde mich über Rückmeldungen freuen.

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