Hinter Kindern – der Frauenknast

Vorab: Ich will mit diesem Artikel weder Transmenschen noch Enbys ausschließen, auch wenn ich die Begriffe „Frauen“ und „Mütter“ verwende. Außerdem ist dies meine Situation (wobei ich denke, dass es vielen anderen Menschen ebenso geht), meine Meinung und alles sehr subjektiv.

Da bin ich endlich wieder. Ich bin viel zu früh bei einem Arzttermin und finde die Zeit, mal wieder zu Schreiben.

Ich komme im Moment nicht dazu. Tagsüber habe ich keine Zeit, mir wird auch keine gewährt und abends bin ich müde und froh, wenn ich (in Ruhe!) meine Serie auf dem Tablet schauen kann. Selbst da renne ich im Moment noch 3-4 Mal ins Schlafzimmer zu den Kindern.

Beide sind krank, letzte Woche war es besonders schlimm. Mein Mann war von morgens bis abends arbeiten und ich war alleine und – fühlte mich eingesperrt.

Ich muss ehrlich sagen, mich kotzt das gerade so richtig an.

Ich meine, es waren mal wieder knapp zwei Wochen, in denen ich (bei schönstem Wetter) nicht raus konnte. Keine Zeit für mich hatte, keine Zeit zum Durchatmen. Wir sind alleine und die Care Arbeit liegt zu 90% auf meinen Schultern. Klar, wenn er da ist, hilft er. Er „hilft“ beim Haushalt, geht einkaufen, kocht essen, inhaliert mit den Kindern, macht sie Bettfertig… Wenn er da ist, was er eben meistens nicht ist.

Dann mache ich das alles und habe doch das Gefühl, nie genug gemacht zu haben. Ich werde den Kindern nicht gerecht, dem Haushalt nicht, dem Blog nicht und mir schon garnicht. Ich bin nur froh, dass ich es bis jetzt geschafft habe, gesund zu bleiben. Es wäre der Supergau, wenn ich krank würde. (Denn, wer versorgt mich? Als mein Mann krank war und nichts mehr ging, war ich da. Sollte ich krank sein und nichts mehr gehen, bin ich alleine, weil er arbeiten muss.)

Ich empfinde das Muttersein als Gefängnis. Manchmal sogar als Hölle. Überall wird an mir gezogen und gezerrt, es wird geweint und getröstet, vermittelt, mit Handpuppen gespielt (die haben sie zu Weihnachten bekommen und seitdem „darf“ ich jeden Tag mit ihnen sprechen und ich hatte schon bessere Ideen), geschimpft, aufgeräumt, um Kooperation gebeten… Ihr kennt das.

Nebenbei eben noch der Haushalt, das Essen, das schlechte Gewissen und abends den Mann vertrösten, dass es wieder keinen Sex gibt, womit es wieder dicke Luft gibt. Nicht beim ersten Mal, oder zweiten Mal, aber irgendwann dann eben doch.

Und obendrauf kommt noch der „du bist selber Schuld, du kannst ja xy machen, du hast es dir selber so ausgesucht etc“ Spruch. Auch das kennt ihr.

Raus komme ich auch nicht, einen Job zu finden mit zwei kleinen Kindern? Haha. Hahahaha. Nein.

Selbst bei Aushilfsjobs bekomme ich Absagen.

Also bin ich weiterhin abhängig auf so vielen Ebenen.

Sicher gibt es schöne Momente mit den Kindern, viele sogar. Sicher liebe ich sie und will sie nicht missen.

Aber ich will auch mein Leben irgendwie leben können. Das tun, was ICH will. Rauskommen, was anderes sehen, mit anderen Menschen sprechen. Mit Erwachsenen!

Ich fühle mich eingesperrt zwischen Wäschebergen, Windelhaufen und Gebrüll.

Mich kotzt diese Diskriminierung an, diese Abwertung meiner Person, nur weil ich Mutter bin. Ich bin nicht mehr sexy, ich bin eine Milf. Ich werde nicht mehr als Frau oder gar Mensch gesehen, nur noch als Mutter.

Egal von wem. Ich werde ausgenutzt, weil ich Zuhause bin und als „Dank“, für meine Mutterrolle, die Verantwortung, der Aufwand auf allen Ebenen) bekomme ich später eine miese Rente, wenn überhaupt, Vorurteile, Be- und Verurteilungen über das, was und wie ich es mache, ein mieses Selbstwertgefühl, Mütterbashing, weil ich es anders mache und ich bekomme nichts richtig hin. Ich kann es also nicht richtig machen.

Was würde ich gerne alles machen. Mit dem Laufen anfangen, ein Buch schreiben, diesen Blog ausbauen, mir einen Namen in der Feminist*innen Szene machen, Vorträge halten über dieses Thema, anderen helfen.

Ich komme damit aber nicht weiter. Und nichts, nichts davon geht. Nicht nur wegen den Kindern, sondern auch, weil ich keine Rückendeckung habe. Weil ich abends müde bin und mich kaum noch konzentrieren kann.

Ich bewundere die Menschen, die es nach einem langen Tag noch schaffen, zu schreiben. Oder etwas vorbereiten, arbeiten etc. Ich kann das nicht.

Wir Menschen mit Kindern, vor allem Frauen, sind doch nur das letzte Glied einer langen Kette, die von vorwiegend Männern gehalten wird. Und daran wird gezogen, sobald wir aufbegehren. Uns wird die Luft abgeschnürt, wird werden in den Keller gesperrt und sollen dort unsere Arbeit als Mutter, Milf und Hausmädchen verrichten. Schön brav, denn das ist schließlich unser Job.

Kotz

Ne, isses nicht!!! Unser Job ist nicht nur Kinder, Küche, Kirche. Wir sind so viel mehr, wir können so viel mehr. Wer ist stressresistenter und durchsetzungsfähiger als die Eltern, die den Großteil der Care Arbeit verrichten? Wer schafft mehrere Dinge gleichzeitig, wer ist gleichzeitig konzentriert und aufmerksam? Wer schafft es, mehrere Bälle auf einmal in der Luft zu halten?

Aber das wird alles nicht gesehen. Die Männer und Väter, die arbeiten gehen, schaffen das nicht. Nicht in dieser Form, weil sie es nicht kennen und nie machen mussten! Es wird auch nicht hinterfragt und noch viel zu oft als selbstverständlich angenommen, dass die gebärenden Elternteile das machen. Sobald zB. eine Mutter arbeiten geht, gilt sie als Rabenmutter, weil sie die Kinder im Stich lässt. Selbst wenn der Vater!! auf die Kinder aufpasst.

Wenn der Vater zuhause bleibt, droht ihm der Jobverlust, ganz sicher aber der gesellschaftliche Abstieg.

Auch wenn es tausende Berichte und Studien gibt, die zeigen, dass vor allem Mütter ausgebrannt sind, weil sie allem gerecht werden wollen, ist es noch immer „nur Kinder und Haushalt“. Eben keine anerkannte Arbeit. Sagen die, die damit nichts zu tun haben.

Wir werden systematisch klein gehalten, weil wir in der Gesellschaft nichts wert sind, denn wir tragen nicht zur Wirtschaftlichkeit bei. Wir werden behandelt wie Milchkühe, die ihr ganzes Leben damit verbringen, eingesperrt zu sein, Kinder zu kriegen und ausgepresst werden, auf Kosten ihres Körpers und ihrer Seele. Und sobald sie nicht mehr produktiv genug sind, werden sie auf brutalste Weise geschlachtet. Wobei sie ihr Leben lang bereits misshandelt werden. (Bitte nicht falsch verstehen, das Leid der Milchkühe ist ungleich schlimmer als unseres und grundsätzlich nicht zu vergleichen. Es ging mir um die Symbolik.)

Krasse Worte?

Ist es denn nicht so, wir kommen auf die Welt und haben direkt eine Rolle aufgedrückt bekommen. Und in die sollen wir bitte reinpassen. Kinder, die mit weibliche gelesenen Genitalien zur Welt kommen, dürfen bitte nur mit Puppen, Kinderküchen und Barbies spielen. Sie müssen ja lernen, wie es später so ist. Und die anderen Kinder kriegen Baukästen, Autos und dürfen mit Steinen schmeissen.

Wenn diese Kinder dann aus dieser Rolle fallen, ist es ein Drama. Für alle. Aber vor allem für die Kinder. Sie verstehen nicht, warum sie nur dieses und jenes machen dürfen, weil sie eben dieses Geschlecht haben. Noch schlimmer ist es, wenn diese Kinder sich mit diesem Geschlecht nicht wohl fühlen und ein anderes haben, oder gar keines der beiden vorgegeben Optionen.

Und später? Wenn die Mädchen zu Frauen werden, dürfen sie eine Ausbildung machen, schwanger werden und bitte ihren Job als Mutter wahrnehmen. Wenn sie dann ausgebrannt und fertig sind, Depressionen haben, weil ihnen diese Rolle nicht gut tut, dann werden sie ebenso aussortiert. Als krank und überfordert beschimpft und kriegen dann sogar noch die Schuld daran.

Die Schuld, alleine zu sein, alles auf ihren Schultern tragen zu müssen und daran zu zerbrechen. Und sind die eigenen Kinder älter und aus dem Haus werden vielleicht noch die Eltern oder Schwiegereltern gepflegt. Und auch wenn das vorbei ist, sind sie dann selber so kaputt, dass nichts mehr geht. Sie können kaum noch kriechen, geschweige denn arbeiten und gelten als faul. Weil, sie haben ja eh nie gearbeitet!

Was ist das nur für eine Welt?

Während also die Männer und Väter ihr Leben weitgehend so weiterführen können und als wertvoller für die Wirtschaft angesehen werden (weil sie mangels möglicher (!) Gebärfähigkeit als nicht ausfallgefährdet gesehen werden) , eine gute Rente bekommen und relativ frei sind, schuften sich die Mütter den Rücken krumm und kriegen einen Tritt in den Hintern.

Und genau das ist unser Gefängnis. Wir sind nicht frei, in keinster Weise. Unsere Wächter und „Zuchtmeister“ sind unsere eigenen Männer und die großen, weissen, mächtigen CisMänner, die keine Ahnung von unserem Leben haben und es sich leisten können, die Problematik zu ignorieren.

Es wird endlich Zeit, diese Stäbe durchzusägen und aufzustehen. Für uns, für unsere Rechte, für unser Leben!!!

Und auch vor allem für das Leben unserer Kinder. Wollen wir wirklich, dass sie mit diesem Rollenbild aufwachsen, dieses Leben haben, was uns schon kaputt macht? Wollen wir ihnen das vererben?

2 Kommentare

  1. Du schreibst, dass wir das letzte Glied einer langen Kette sind. Aber eigendlich wäre es ja genau andersrum, wenn wir ein natur- und lebensnahes Gesellschaftsystem hätten. Es ist nur eine Rolle , die uns aufgetischt wird und uns klein hält. In wirklichkeit ist Mütterarbeit extrem wichtig. Denn sie sichert doch unseren Fortbestand. Es ist grausam wie sehr wir Mütter an den Rand getrieben werden. Ich kann davon auch ein Lied singen, als Alleinerziehende.

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    1. Da gebe ich Dir absolut Recht. Umso lauter müssen wir werden, damit diese Ungerechtigkeit ein Ende findet. Als Alleinerziehende trifft es nochmal stärker und härter zu, fühl Dich lieb gedrückt

      Gefällt 1 Person

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