Was wir verdienen und was wir brauchen

Heute auf dem Weg zum Kindergarten habe ich mich wieder geärgert. Ich bin jemand, der immer freundlich grüßt, aber oft wird dieser Gruß ignoriert. Das ärgert mich dann.

Ich habe aber gedacht, dass auch diese Frau Liebe in ihrem Leben verdient hat.

Da ich gerade versuche zu lernen, alles anzunehmen und neutral zu akzeptieren, was mir begegnet, habe ich das auch bei dieser Frau versucht und da kam dieser Gedanke.

Kurz darauf stockte ich aber etwas. Das fühlte sich falsch an. Hat sie Liebe verdient?

Nein.

Aber sie braucht welche. So wie wir alle.

In unserer Leistungsgesellschaft haben wir leider dieses immer weiter, schneller, besser denken so sehr verinnerlicht, dass wir meinen, Liebe muss verdient werden.

Wenn unsere Kinder xy machen, lieben wir sie mehr, weil sie herausstechen und etwas geleistet haben (ganz überspitzt formuliert), geht es in die andere Richtung, ärgern wir uns oft, fühlen und unzulänglich, weil wir denken, wir schaffen es nicht, die Kindern zu fördern. Wir übertragen diesen Ärger auf die Kinder und unsere Liebe wird (gefühlt) weniger, weil sie von Ärger bedeckt ist.

Wir alle kennen diesen Spruch, dass wir Liebe nicht kaufen können. Aber tatsächlich machen wir genau das. Jeden Tag. Wir fordern noch das letzte bisschen Kraft von uns ab und von anderen, um mehr zu leisten, besser als andere zu werden, schneller, hübscher, dünner, intelligenter, kreativer usw. um uns Anerkennung und Liebe zu verdienen. Wir haben gelernt, nur dann wertvoll zu sein, wenn wir funktionieren.

Und wer funktioniert, wird geliebt.

Dabei ist das total falsch. Und destruktiv.

Niemand verdient Liebe. Wir alle brauchen sie und wir alle können sie geben und zwar bedingungslos. Jedem und allem. Aber nicht verdienen, denn etwas, was verdient wird, kann auch weggenommen werden und damit geben wir die Macht an andere ab, uns zu lieben. Wir machen uns abhängig und werden dadurch krank, weil wir nie wir selbst sein können und dürfen.

Bei (eigenen) Kindern ist es noch relativ leicht, sie bedingungslos zu lieben.

Und was ist mit dem Partner? Den Freunden, den Kollegen, allen anderen Menschen und Lebewesen, mit denen wir zu tun haben?

Den Partner lieben wir, aber auch das in den allerseltensten Fällen bedingungslos. In absteigender Reihenfolge wird es dann weniger, bis die Menschen und Lebewesen um uns herum uns schlicht egal sind.

Genau das führt aber zu unzufriedenheit (wie bei mir heute mit der anderen Mutter), es führt zu Hass, Krieg, Zerstörung und hat unsere Welt dahin gebracht, wo sie gerade steht. Voller Angst, Destruktivität, Missbrauch und Misshandlungen.

Solange wir so denken, also unterscheiden zwischen Du und ich, solange ist das auch so.

Dabei gibt es eigentlich keinen Unterschied. Sind wir nicht alle gleich? Wir wissen, dass Tiere fühlen können, so wie wir. Selbst bei Pflanzen wurden schon eine Art Gefühle gemessen.

Da ist also die Kuh. Die kenne ich nicht, die ist mir egal. Die schmeckt aber gut und ihre Milch ist wichtig.

Da ist die Nachbarin. Die kenne ich nicht, die ist mir egal. Die schmeckt aber gut und ihre Milch ist wichtig.

Merkta selber?

Es gibt kein Du und ich, es gibt nur ein wir. Wir alle sind Teil dieses Planeten und sitzen im selben Boot. Wir alle brauchen Liebe, sie ist essentiell für uns und unser Leben.

Wenn wir in der Lage sind, Liebe zu geben, ganz bedingungslos und jedem Lebewesen, werden wir schnell merken, dass uns das glücklich macht. Das wird bemerkt und kommt zu uns zurück.

Wenn es viele machen, wird diese Welt ein besserer Ort. Liebevoller, Rücksichtsvoller, Friedlicher in so vielen Hinsichten.

Und ist es nicht genau das, was wir wollen?

Wenn wir alles lieben, was ist, gehen wir achtsamer damit um. Wir sägen nicht mehr den Ast ab, auf dem wir sitzen, wir steigen runter und pflegen ihn. Und können uns an seinen Blüten und Früchten erfreuen.

Ich gebe zu, es ist ein langer Weg, denn zuerst müssen wir bei uns anfangen. Wir müssen (wieder) lernen, uns selbst zu lieben. Wir sind liebenswert, jeder einzelne. Wir dürfen uns selber lieben und annehmen, wie wir sind, weil wir völlig in Ordnung sind.

Und das sind auch alle anderen. Deshalb sind wir nicht getrennt, von niemandem. Wir sind alle eins.

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