Von Müttern und ihrer Wahl

Die Bloggerin Anke Neckar vom Blog Lächeln und Winken hat einen Artikel über Sex geschrieben.

Also, vielmehr über den Sex von Eltern. Und wie er vor und nach der Schwangerschaft war, (Könnt ihr hier nachlesen) haben die Mütter beantwortet, allerdings haben sie es zusammen mit ihren Ehemännern getan.

Ich finde den Artikel ziemlich lustig, zumindest am Anfang. Dann kommen 58 Kurzinterviews zu diesem Thema und da waren ein paar Aussagen, die ich so ganz und gar nicht lustig fand. Es gab nämlich mehrere Mütter, die schrieben, dass sie nur Sex ihrem Partner zuliebe hätten, eine schrieb sogar, wie sie sich teilweise davor ekelte und wie furchtbar sie sich fühlte.

Aufmerksam auf diesen Artikel bin ich tatsächlich durch meinen Mann geworden, der dies als Anlass nahm um mir zu sagen, dass andere es ja auch machen. Das war bestimmt gut gemeint, aber es setzte mich unter Druck und genau das sollte eben nicht sein. Wer weiss, wie viele Männer dies ebenso als Druckmittel nutzen.

Um ein paar Dinge sichtbar zu machen, habe ich den Artikel mal etwas aufgedröselt:

(Ich habe alles nach besten Wissen und Gewissen gezählt, wenn ich mich irgendwo vertan habe, lasst es mich bitte wissen)

Es gab, wie gesagt, 58 Interviews. Von den Befragten gaben 40 Frauen an, (wieder) Sex mit dem Partner zu haben, 10 hatten keinen Sex und 8 Frauen haben nur ihrem Partner zuliebe mitgemacht, dh sie haben sich überreden lassen oder sich, obwohl sie keine Lust hatten, darauf eingelassen, weil „der Hunger kommt beim Essen“.

Ich konzentriere mich auf die 8 Stück, das sind nämlich (aufgerundet) 14%. Und das finde ich viel.

Weil es 0% sein sollten.

Ich habe dann eine Umfrage bei Twitter gestartet und wollte wissen, warum die Mamas mit ihren Partnern schlafen.

Von 529 Stimmen gaben 370 an, weil sie Lust hatten, 69 weil BEIDE Lust hatten und ganze 85!!! weil es entweder der Partner wollte und/oder es sonst Ärger gebe. (Es waren 16 Mütter die sonst Ärger bekommen würden).

Es hört sich vielleicht wenig an, aber ich finde, es ist verdammt viel, weil jede einzelne Mutter eine zuviel ist.

Da haben sie nicht nur die Haupt Care Arbeit auf den Schultern, sie haben noch die Arbeit, den Haushalt, die Organisation von allem UND sind noch für die Befriedigung des Mannes zuständig.

Aber wie kommt das?

Kleinen Mädchen wird von Anfang an suggeriert, dass sie brav, lieb und angepasst sein müssen, im schlimmsten Fall sogar mit Strafen und/oder Liebesentzug. Sie dürfen ihre Bedürfnisse und Ansprüche meist nicht äußern, denn Mädchen machen so etwas nicht. Sie haben sich zu unterwerfen, in jeglicher Hinsicht.

Das ist vielleicht übertrieben und in dieser krassen Form schon viele Jahre her, aber diese Zahlen zeigen, dass es auch nicht sehr weit hergeholt ist.

Zusätzlich spielt die Kindheit der Männer eine Rolle, die ebenso in eine Rolle gedrängt werden. Sie dürfen sich behaupten, ja sogar Prügeln, sie dürfen frech sein, sich ausprobieren, sich zur Wehr setzen und sich durchsetzen. Noch immer gilt, der stärkere Gewinnt und das nehmen sie mit ins Erwachsenenalter, wo sie dann, vor allem gegenüber den Frauen, die stärkeren sind. Das ist leider auch heute noch sehr häufig.

Später dann, wenn die Mädchen Mütter werden, leben sie ihre Kindheit weiter. Brav, angepasst und vor allem gefällig. Das zeigt dieser Artikel, ebenso wie die Umfrage, auch.

Aber muss das wirklich sein?

In einer Gesellschaft in der so oft nach Gleichberechtigung, die Rechte der Frauen und Selbstbestimmung gerufen wird, gibt es noch immer viel zuviele Frauen, die dies nicht leben (können/dürfen).

Noch immer haben Männer zuviel Macht über uns, noch immer wird uns zu oft gesagt, was wir zu tun und wie wir zu sein haben.

Noch immer gibt es zu viele Frauen, die sich nicht wert genug fühlen, sich zu behaupten.

Klar, wenn der Partner geliebt wird und die Frau ihm einen Gefallen tun will, damit er nicht leidet, ist das wirklich nett. Wenn sie dann doch noch Spaß dabei hat, ist es gut.

Aber letzten Endes muss sich auch ja mindestens zuerst überreden. Obwohl sie müde ist, sowieso schon zuviel Körperkontakt hatte, geschafft ist vom Tag, vielleicht noch Rückenschmerzen hat und etwas Erholung braucht, um am nächsten Tag wieder fit zu sein. Für den Mann ist es Erholung und Abschalten, für die Frau noch eine Aufgabe mehr, die sie erfüllen „muss“. Auch wenn es dann doch Spaß macht.

Sagt sie nein, auch öfter, auch ganz oft oder immer, hängt bald der Haussegen schief. Es kommt zu Streit, Diskussionen, die Mutter ist bald noch müder und braucht theoretisch noch mehr Ruhe, die sie noch weniger bekommt, weil der Haussegen schief hängt und dadurch hat sie, logischerweise, noch weniger Lust, was wieder die Spirale weiter nach unten dreht usw.

(Ich habe dazu bereits einen ausführlicheren Artikel verfasst: Mein Körper – meine Entscheidung )

Männer, die für die Lustlosigkeit Verständnis haben und das eventuell sogar über Jahre, sind selten.

Die Mehrheit fordert „ihr Recht“ ein, ungeachtet sämtlicher Dinge, die dagegen sprechen. Und statt einem Austausch auf Augenhöhe, wird der Druck immer weiter erhöht, bis die Frau sich dann doch überreden lässt.

Aus Liebe. Natürlich.

Wieviel Rechte haben Frauen denn an ihrem Körper eigentlich? Theoretisch alle. Praktisch aber kaum. Ausser, sie sind stark genug um auszuhalten, was sie aushalten müssen, wenn sie nicht wollen. Das ist aber verdammt schwer und hat nicht selten eine Trennung zur Folge.

Das muss nicht sein. Das zeigt das Beispiel von den Frauen, die in dem Artikel geschrieben haben, dass sie mehr lust haben als der Mann.

Nicht eine davon käme auf die Idee, ihn so unter Druck zu setzen oder ihm das Leben zur Hölle zu machen, weil er nicht mit ihr schläft.

Das Ziel sollte sein, dass auch die Männer das schaffen.

Denn wir sind gleichwertig und sollten auch so behandelt werden.

Wenn die Frauen es schaffen, sich zu überreden aus Liebe, sollten die Männer es doch schaffen, die Frau nicht unter Druck zu setzen. Aus Liebe.

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