Die Geschichte von der Fee Rina

Von Maike:

Kapitel 1: Brunnenhof am Auenwald

Vor dem Wald, den wir heute den Auenwald nennen, lag einst das Fürstentum Kreißenstein. Der Fürst stammte nicht, wie viele andere seines Standes, aus einem alten Adelsgeschlecht, sondern hatte sich seine Gunst beim Markgrafen von Altenburg und dem Kurfürsten zu Meißen erworben. Er war von beiden mit einem Stück Land betraut worden, das nun neu besiedelt werden sollte. Die Dörfer um den Auenwald herum sollten auch von ihm verwaltet werden. An der Stelle, an der die Luppe in die Weiße Elster mündete, hatte der Fürst, damals noch ein fahrender Ritter, die Franzosen endgültig in die Flucht geschlagen und daraufhin als Lohn den Titel und Stand erhalten. Bis die Dörfer wieder ausreichend besiedelt waren, hatte der Fürst einen Berg aufschichten lassen, von dem man sich später sagte, er habe alles Gerät seiner Feinde darunter verscharrt. Einige glaubten sogar, er habe auch die Gebeine seiner Feinde dort vergraben, wenn er mit ihnen fertig war. Bald nach seinem Aufstieg aber sank sein Ansehen beim Adel selbst; sie neidetem dem Emporkömmling seine Gunst in den hohen Häusern. Das Geschick der Menschen in dieser Gegend lag nun allein in des Fürsten Hand, und das, obwohl er selbst nicht von edlem Blut war. Er war im Grunde einer von ihnen, was ihm langfristig ihr Vertrauen einbrachte, denn er hatte sich aus eigener Kraft verdient gemacht. So gehörte er nun nicht mehr ganz dem gemeinen Volk an, noch fand er vollständig Eingang in die Kreise der Edelmänner.

Um den Auenwald herum, an dessen südwestlichem Rand die Burg Kreißenstein lag, gab es nun mehrere Siedlungen; eine davon lag direkt zu Füßen der Burg, sie wurde Kreißenthal genannt. Zwei weitere umschlossen den Auenwald: Brunnenhof lag südlich des Auenwaldes, wo Luppe und Elster zusammenfanden, und Wiesenthal lag stromaufwärts der Elster östlich des Waldes. Vor dort aus führte eine schlecht befestigte Straße nach Nerchenaue, dem letzten Ort in des Fürsten Land. Einen der Orte in der Nähe des Fürsten wollte die Fee Rina nun wählen, um sich ein Heim aufzubauen. Sie entschied sich für Brunnenhof, das vornehmlich von Handwerkern bewohnt war, und eine gute Position bieten sollte, um den Menschen in Erscheinung zu treten. Zuvor aber brauchte sie eine Hülle, die die Menschen verstanden. Rina ärgerte sich über die sonst so kleinlichen Menschen, die ihr hier nur zwei Möglichkeiten boten: entweder sollte sie einen Bart tragen, eine tiefe Stimme annehmen, und rohes Handwerk ausüben, oder eine rundliche, kleinere Form anziehen, die mit feinen Fingern, mehr Wärme im Herzen und dennoch weniger offensichtlicher Kraft versehen war. Sie entschied sich für letzteres, um unauffälliger beobachten und wirken zu können.

Rina traf am Hofe zu Altenburg das erste mal auf den Fürsten. Auf der Suche nach einem Weib für seine Burg und damit auch an seiner Seite, wurde er auf Rina aufmerksam. Sie hatte es nicht im Sinn, sich mit einem Menschen einzulassen, schon gar nicht in einer so wichtigen und gleichzeitig abhängigen Position. Deshalb verwehrte sie sich den Gesprächen mit dem Fürsten von Beginn an, was diesen sehr verärgerte. Sie verhielt sich für den Rest des Aufenthaltes dort ruhig und im Hintergrund.

Liebe und Schicksal berieten derweil, welche Frau sie dem Fürsten zugedachten und fanden eine junge, unverheiratete Frau, die dem Stande des Fürsten entsprach – mehr noch, sie war von edler Geburt und hatte das Führen eines Haushalts im Kloster Marienbrunn gelernt. Ein frommes Weib an seiner Seite sollte sie sein, und die Liebe half den beiden Menschen, sich zu finden. Der verletzte Stolz des Fürsten nach Rinas Zurückweisung erholte sich mit der sittsamen Frau, die ihm nun zugetan war. Ein halbes Jahr später wurde auf Kreißenstein Hochzeit gefeiert, ein weiteres Jahr später gebar die Fürstin einen großen, starken Sohn. Liebe und Schicksal verließen die Stätte, weil ihre Arbeit hier getan war, das Leben nun weitergehen musste, und sie anderweitig gebraucht wurden. Mit der Zeit aber verließ auch die Freundlichkeit die Burg und das Fürstenpaar wurde sich fremd. Rina sah das sehr wohl, aber war weder gewillt, noch imstande, einzugreifen. Die Menschen waren ihr gegenüber oft etwas vorsichtig, fassten schließlich aber ein wenig Vertrauen.

Mit dem ehelichen Zerwürfnis am Hof zog jedoch eine Zeit heran, in der die Geschehnissen um das Königreich herum immer verwirrender wurden. Die Worte wurden allerorts ruppiger, wurden lauter, rauer. Die Menschen blickten finsterer drein, sprachen weniger und die hellen Tage waren weniger warm. Der Dorfplatz in Brunnenhof, in dessen Mitte keine Kirche, sondern ein Brunnen stand, schien zu vereinsamen. Vor gar nicht all zu langer Zeit hatten die Kinder des Dorfes hier gespielt, sich gegenseitig gefangen, Verstecken gespielt und aus den nahegelegenen Wiesen Blumen zu Kränzen gebunden. Nun wurde es still im Dorf. Die Burg des Fürsten ragte in der Ferne kalt auf dem Hügel als ein grauer Wächter hinauf, und die Bauern, welche die Felder um das Dorf bestellten, zogen ihre Karren mit Getreide und Viehzeug beschwerlicher zum Tor. Die Bauern und ihre Familien lebten vornehmlich in Kreißenthal und sprachen nicht viel mit den Handwerkern aus Brunnenhof, es sei denn, sie benötigten deren Hilfe. Der Schmied hatte sich im Laufe der Jahre aus Brunnenhof zurück gezogen und seine Schmiede zwischen Burg, Wald und Luppe gebaut.

Der Sohn des Fürsten hatte als Kind oft dort gespielt. Der Fürst wollte ihn eines Tages mit zur Jagd nehmen, doch seine Mutter verbot dem Jungen, mit dem Vater zu reiten. Seinem Weib und dem sicher folgenden Streit ausweichend, fluchte der Fürst leise vor sich hin und schwang sich auf sein Pferd. Als er kurz vor der herbstlich-frühen Dunkelheit heimkehrte, hatte die Fürstin die Burg verlassen, mit all ihrem Hausrat, – und dem Kind. Zwei Tage und Nächte lang tobte der Fürst durch die Burg, dann wurde er still. Die Mägde und Knechte auf der Burg warteten auf den nächsten Ausbruch seines Temperaments, doch als mehrere Wochen ins Land gegangen waren, und nichts passiert war, gingen sie ebenso still ihrer Arbeit nach. Die Dörfer um die Burg wurden grauer, so auch Brunnenhof und dessen Dorfgemeinschaft.

Rina hatte sich derweil ein wenig in die Dorfgemeinschaft einbringen können, mit allerlei nützlichem Wissen und klugen Augen, die schon manchem Menschlein das Herz geöffnet hatten. Manch einem hatte sie damit helfen können, wenn sie erkannte, wo sein Schuh drückte. Andere wiederum hatte das erschreckt, und in die Flucht geschlagen. Es unterschied sie einiges von all jenen, mit denen sie ihr Leben versucht hatte zu teilen. Da jedoch niemand genau wusste, woher Rina gekommen war, und wie sich dieses Anderssein auswirken mochte, stand man ihr bisweilen etwas misstrauisch gegenüber. Sie hatte viele besondere Gaben, ein großes Herz und sie war jederzeit bereit, Hilfe zu leisten, wenn welche gebraucht wurde.

Sie selbst hätte nicht gewusst, wen sie hätte um Hilfe bitten können, wenn sie welche gebraucht hätte. In Brunnenhof gab es eine Bäckerin und ihren Mann, einen Tischler, einen Korbflechter und dessen drei Töchter – doch nichts davon hatte sie beanspruchen müssen, weil sie das alles selbst beherrschte. Sie war anders als die anderen, und das hatte sie immer zu spüren bekommen. Sie, die Sonderbare im Dorf. Die Familien rundherum hatten um das Haus, in dem sie damals lebte, oft einen Bogen gemacht, und dabei hatte sie sich doch größte Mühe gegeben, sich anzupassen. Sie wurde das Gefühl nie ganz los, dass ihr eigentlich niemand über den Weg traute. Es half nicht gerade, dass allerlei Katzen und Vögel sich von Zeit zu Zeit um ihr Haus scharrten, oder der Vollmond rot anlief, wenn sie ihre Kräuter zum Trocknen aufhängte, und andere zu heilsamen Tränken kochte.

Eine Hexe hatte der Tischler sie einst leise genannt, und seinen Sohn weitergezerrt. Der Junge war stark, das hatte Rina ihm angesehen, doch dem Vater war es die falsche Art von Stärke. Er wollte ihn sein Handwerk lehren, einem Meister in die Lehre geben, und einen richtigen Mann aus ihm machen. Dass der Junge das nicht ganzen Herzens wollte, sah sie ihm an. Von weitem schon stand ihm die Sorge in die kleine Stirn geschrieben, und eines Tages fasste der Kleine seinen Mut zusammen, und klopfte an ihre Tür. Rina ahnte vor dem Öffnen schon, wer es war, und sie bat ihn herein. Er klagte ihr sein Leid, und Rina ließ ihn reden. Er erzählte von der Mutter, die er vermisste. Sein Vater hatte sie fortgejagt, weil sie ihm kein zweites Kind gebären konnte, und schweren Herzens nur ließ die Mutter ihr erstes Kind zurück. Anne hatte sie geheißen, und Rina war versucht, ihr einen Boten zu schicken, damit sie wusste, dass es ihrem Sohn gut ging. Rina ermunterte ihn nur, einen Tee zu trinken, sie hatte an jenem Tag frische Pfefferminze gepflückt. Nach dem ersten Schluck schon kullerten seine Tränen und er hob an, ihr sein kleines Herz zu offenbaren. Sie empfand tiefes Mitleid, auch wenn sie ahnte, wo Anne sich aufhalten mochte, wagte sie es nicht, ihm davon zu berichten. Sie fürchtete seinen Vater und dessen Wut und so stand sie neben sich an diesem und am Tag danach – sie konnte ihm nicht weiterhelfen, und das tat ihr in der Seele weh.

Auch die drei Töchter des Korbflechters hatten ihre Mutter verloren. Sie war verschwunden, der Gevatter hatte sie wohl eines Tages an sich gerissen, als der Fluss über die Ufer trat und die gute Frau die Schafe zurück von der Weide trieb, um sie in Sicherheit zu bringen. Sie hatte aus deren Wolle ein Garn gesponnen in allen Stärken, hatte sie mit schönen Farben aus ihrem Garten versehen und daraus Stücke gefertigt, die ihresgleichen suchten. Rina hatte vermutet, dass sie eines Tages zurück käme, doch offenbar hatten die Fluten sie fortgetragen und die Männer des Dorfes hatten noch einige Tage nach ihr gesucht, aber nichts gefunden, außer dem Mantel, den sie zuletzt getragen hatte. So ging denn der Korbflechter in Trauer, zehn Sommer schon.

Es war still geworden im Dorf, nachdem nun schon zwei Frauen verschwunden waren und ihre Kinder in den Häusern ihrer Väter heranwuchsen. Die Bauern aus Kreißenthal waren alt und lebten jeder für sich, sie hatten nicht viele Kinder, und die wenigen Nachkommen waren fortgezogen. Die Handwerker schienen einen kleineren Verband zu bilden, und doch war die Freude an diesem Ort erschöpft. Schon lange war kein neues Gesicht mehr in das Dorf gekommen, auch auf der Burg hatte sich nichts verändert. Der Fürst hatte lange keine Jagd mehr veranstaltet, war ohnehin nicht viel auswärts unterwegs, pflegte keine Bekanntschaften mit seinesgleichen, und ritt nur auf Geheiß des Markgrafen einmal im Jahr zu dessen Hofstaat.

Der Fürst war ein eiskalter Mann geworden, der keine Regung im Gesicht zeigte, und dessen Jahre sich tief in die Stirn gruben. Die Wangen waren eingefallen, der zerzauste Bart wuchs ihm lang auf die Brust und das Haupthaar verkümmerte zu einem kläglichen Kranz. Er musste einst ein stattlicher Ritter gewesen sein, doch das ließ sich nur noch erahnen. Ob sich in seinem Herzen je etwas geregt hatte, seit seine Frau von dannen gezogen war, und seinen Sohn mitgenommen hatte, wusste Rina nicht. Wenn sie den Fürsten getroffen hatte, umgab ihn ein trister Nebel, halb von Traurigkeit, halb von Erschöpfung und mit einer Prise Wut und Trauer versehen. Das Licht in den blauen Augen war fast erloschen und sie vermutete, dass er sein Leben innerlich längst abgeschlossen hatte.

Rina selbst hatte sich nie einem Mann versprochen, sie war für sich geblieben, und das machte die meisten Männer misstrauisch. Sie musste doch einen Mann brauchen, der ihr die Dinge im Haus versah, die sie selbst nicht schaffte, zart, wie sie war.

An fröhlichen Tagen hatte Rina sich ins Fäustchen gelacht, denn nein, bisher hatte sie noch alles allein geschafft. Sie war stärker, als die meisten vermuteten. Nach schlechten Tagen jedoch wälzte sie sich einsam auf ihrem Lager und vermisste den ruhigen Atem eines Menschen neben sich.

Vor wenigen Jahren war ein kleines Kind im Dorf geboren worden, sehr überraschend und mitten in der Nacht. Die Magd des Fürsten hatte Rina geweckt, mit blutüberströmten Beinen, einer nassgeschwitzten Stirn und der blanken Angst im Gesicht. Ihr angeschwollener Leib hatte sie schon länger geplagt, doch Rina hatte nicht gewagt, sie darauf anzusprechen, schließlich lebte die Magd allein. Im Dorf und auch ringsherum hatte sich kein Mann für sie gefunden, was den Fürsten wohl sehr verärgert hatte.

In jener Nacht also kam in Rinas Haus ein Kind zur Welt, zart und rosig, und von der ersten Stunde an ruhig und freundlich. Dieses Kind hatte eine Hülle aus Sonne um sich getragen, auch wenn der erste Mondstrahl, der durch die Wolken brach und ins Fenster fiel, ihm das erste Licht der Welt gewesen war.

Dieses kleinste Kind des Dorfes wurde fortan Rinas Schutzbefohlenes, sie stand in einem kleinen Kreis Patin, und versprach der Magd, sich gut um das Kind zu kümmern. Obwohl es im Zimmer seiner Mutter im selben Haus wohnte, schlich es sich manchmal des Nachts zu Rina, und es durfte dann bei ihr liegen. Rina nahm das Kind bald immer wieder zu sich, sodass die Magd ihre Arbeit verrichten konnte, auch wenn der Fürst ihr nach der Geburt dieses Kindes umso härter zusetzte. Woher dieses gekommen war, wusste keiner so recht und das Dorf war gespalten, wie eine ledige Magd wohl an ein Kind gekommen sein mochte. Es hatte keine Durchreisenden gegeben in den letzten Jahren, und sicher hatte sich wohl einer der Fürstenknechte an ihr vergangen.
Rina fragte die Magd nicht. Sie hatte ihre eigenen Gedanken und wollte sie damit nicht belasten. Sie liebte das Kind wie ein eigenes und vermisste es ebenso, wenn es nicht bei ihr war aber das Kind allein würde sie nicht im Dorf halten, das hatte sie gewusst.

Als der Fürst eines Tages zu ihr geritten kam, und in kurzen Worten die Herausgabe des Kindes verlangte, tobte die Wut in Rinas Herzen. Der grausame Mann würde ihr das Kind nicht entreißen, es gehörte nicht auf irgendeine Burg, auf der es die höfischen Regeln lernen musste. Dieses Kind sollte frei sein, es sollte Kind sein dürfen, heranwachsen und niemals die steifen Gesetze des Adels erleben müssen.

Rina wehrte sich mit aller Kraft gegen sein Eindringen in ihr Haus, und doch verstummte sie, als das Kind, gerade einmal sechs Jahre alt, die Treppe herunter kam. Es trug die Jacke, die Rina vor Kurzem erst geflickt hatte, und ein kleines Bündel unter dem Arm.

Rina stockte der Atem.

Das Kind war bereit zu gehen. In ihrem Herzen tat sich eine Wunde auf, und die Liebe wollte ihr gar herausfließen. Sie fiel auf die Knie und die kleinen Arme schlangen sich um ihren Hals. Das Kind lächelte, sagte ihr, sie solle nicht trauern, und seiner Mutter einen Kuss geben.
Im gleißenden Licht dieses Sommertages schritt es nun aus der Tür, ließ sich von einem Knappen auf ein Pferd heben, und dann war es fort. Rina stand mit tauben Gliedern in der Tür, einen dicken Kloß im Hals, und all die Schmerzen, die sie all die Jahre für sich behalten hatte, hagelten mit einem mal auf sie ein, ließen sie gar zu Boden sinken und erstickten ihren Schrei mit einer ohnmächtigen, fassungslosen Wut.

Das Kind war fort.

Des Abends musste sie der Mutter alles berichten, die es vor Schmerzen ebenso zerriss, wie zuvor schon Rina. Als wäre der Verlust des Kindes noch nicht Strafe genug, musste sie wenig später auch ihre gute Freundin verabschieden, weil diese es im Dorf nicht mehr aushielt, und damit wurde Rina klar, dass sie hier nichts mehr hielt. Sie verließ das Haus noch vor dem nächsten Vollmond. Sie zog weiter, bis sie im Auenwald, der ihr früher als Rückzugsort aus der lauten Welt gedient hatte, ein kleines Hüttchen fand. Wie von Zauberhand hatte es sich eines Tages hinter den Himbeersträuchern gezeigt, schüchtern fast schmiegte es sich zwischen die Eichen.

Rina hatte es sich hier bald gemütlich gemacht, Stück für Stück hatte sie sich eingerichtet. Die Himbeeren wucherten schnell und mit ein wenig Geschick hatte sie fast einen ganzen Kreis um das Haus geschlossen mit der Hecke. Nach Brunnenhof war man selbst von weit her gekommen, wenn man ihren Rat suchte, Trost und Hilfe. Rina war es jedoch leid geworden, immer nur den anderen zu helfen, eine Rolle für sie zu spielen, solange es den anderen nutzte, und dann, wie von selbst, in Vergessenheit zu geraten.

Dort im Wald hatte sie ihre Ruhe, dort kam niemand zu ihr, niemand nutzte ihre Kräfte aus, um sie dann erschöpft von ihrer Hilfeleistung zurück zu lassen. Hier war es abgeschieden genug, still, und genau das, was Rina vor den Menschen und ihren verletzenden Taten bewahren sollte. Sie schwor sich, den Menschen nie wieder so sehr zu vertrauen, ihnen nicht zu geben, was sie nicht verdienten. Allein um das Kind tat es ihr wirklich leid. Doch es würde sich zurecht finden, da war Rina sich sicher. Dieses Kind sollte die Welt verändern, in der es lebte.

Rina richtete ihr neues Haus so ein, dass sie es jederzeit verlassen konnte, es waren nur spärliche Vorräte dort und die Feuerstelle immer sauber, wenn sie in den Wald hinaus zog. Sollte jemand diese Hütte aufspüren, sollte doch zumindest ein verlassener Eindruck entstehen, sodass sie sich um weiterziehenden Besuch nicht zu kümmern brauchte. Das Dach war an einigen Stellen nicht mehr heil, es schützte nicht vor dem starken Regen, und das nutze Rina aus. So würde sich zumindest niemand dauerhaft häuslich hier niederlassen wollen. Ihr Plan war gut, es war niemandem von den spärlichen Landstreichern gut genug, um dauerhaft bleiben zu wollen.

So zogen die Jahre ins Land, und um die Hütte herum wurde der Wald so unpassierbar, dass schon lange niemand mehr hierher gekommen war.

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