Die Frage des Tages – und wofür sie steht

Ich habe gestern in meinen social Media Kanälen eine ungewöhnliche Frage gestellt und zwar:

Stellt euch vor, ihr hab einen Wunsch frei.
Aber:

– dieser Wunsch wird dem Menschen erfüllt, der euch am meisten Leid zugefügt hat

– er darf nichts schädliches und nur gutes enthalten.

– ihr bekommt etwas gutes zurück, wisst aber nicht was und wann

Was würdet ihr wünschen?

Von der Rechtschreibung mal abgesehen (die den wenigen Zeichen geschuldet ist), bekam ich darauf sehr viele, überraschend positive Antworten, die schönsten waren bei Twitter:

„Ein gutes Herz – damit er anderen kein Leid mehr zufügt“ von @fraumachtblau

Ebenfalls noch: „Ein gutes Herz“ von @shadow36399458

Oder: „Frieden im Herzen und sich selber annehmen“ von @AstridLehmeyer

Und: „Die Fähigkeit, sich selbst und die Liebe, die diesem Menschen zugeführt wird, anzunehmen.“ von @CgrMoments.

Die meisten haben tatsächlich sehr schöne und gute Wünsche gehabt. Und das für jemanden, der ihnen großes Leid zugefügt hat. Das ist schon beeindruckend.

Aber warum habe ich diese Frage überhaupt gestellt?

Weil es etwas mit uns macht, was wir anderen Wünschen. Tatsächlich war es auch keine rhetorische Frage, sondern eine wahre. Klar, es wird jetzt keine gute Fee um die Ecke kommen, aber das, was wir denken, hat Auswirkungen, immer.

Für uns und unsere Umwelt. Ich führe das mal etwas wissenschaftlicher aus:

Alle die in der Schule aufgepasst haben, wissen, dass unsere Welt aus Atomen besteht. Das heisst, alles ist von diesen kleinen Teilchen, die wir nichtmal mit dem bloßen Auge sehen können, durchdrungen. Da sie aber umherwuseln dringen sie durch uns durch. Die ganze Zeit. Und nicht nur durch uns, sondern durch alles andere.

Tisch, Wand, Stuhl, Kind, Hund, Essen, egal. Dem Atom ist es wurscht, wo es gerade so herumfliegt.

(Liebe Physiker: das ist stark vereinfacht, ich weiss.)

Ein Atom ist Energie. Auch das wissen wir. Ergo ist der Spruch: „Alles ist Energie und alles ist eins“ nicht so Esoterisch, wie er oft scheint, weil es einfach die Wahrheit ist. Wenn alle Atome überall sind, wurden wir bereits mehrmals von allem durchdrungen, was ist. Also gibt es auch kein Getrennt-sein, weil wir dadurch miteinander verbunden sind.

Auf der energetischen Ebene nimmt das Atom immer etwas von dem mit, wo es gerade war.

Auch unsere Gedanken sind Energie, denn die Neuronen feuern ständig um sich herum. Diese Energie verpufft nicht einfach im Kopf, sondern geht ebenso wie die Atome ihren Weg.

Alsoooo, wenn wir einen Gedanken haben – geht Energie flöten und wenn gerade zu dem Zeitpunkt Atome dabei waren, nehmen sie diese Energie mit und geben sie weiter.

Soweit so logisch.

Die Frage ist: welche Energie nehmen sie denn da mit?

Eine positive Energie wie Freude, Glück oder Liebe?

Oder etwas negatives wie Wut, Traurigkeit und Hass?

Und was passiert dann damit?

Folgendes:

Kennt ihr das, wenn ihr jemanden trefft und sofort merkt, da stimmt was nicht? Klar, wenn dieser Mensch Rotz und Wasser heulend vor euch steht ist das einfach, aber was ist, wenn er fröhlich vor euch steht? Ihr merkt es trotzdem. Das ist nicht echt. Das ist diese Energie, die ich meine. Ihr spürt es.

Ebenso spüren es manche Menschen, wenn einem anderen etwas passiert und/oder dieser Mensch in Gefahr ist. Auch wenn dieser weit weg zu sein scheint.

Aber auch andersherum, dann habt ihr einen Menschen vor euch, der strahlt richtig. Und ihr schwingt automatisch mit, es geht euch gut in der Nähe des Menschen.

Das heisst, alles, was bei uns im Inneren so passiert, tragen wir nach Aussen. Und dann wird es gespiegelt.

Wenn es euch gut geht, bekommt ihr Lob, die Dinge gehen leichter von der Hand, ihr seid glücklich und eure Gedanken sind positiv, liebevoll und wertschätzend. Zu euch und anderen. Ich behaupte, wenn ein Mensch so wirklich richtig glücklich ist, wird er nie grausam oder sadistisch handeln. (Das werden auch so die meisten Menschen nicht, die gefestigt sind und Emphatie und Mitgefühl haben, aber vielleicht haben sie manchmal Lust dazu, wenn sie besonders wütend sind und/oder stark verletzt wurden)

Und natürlich ist es auf der anderen Seite gleich. Geht es euch schlecht oder tragt ihr viele destruktive und negative Gedanken mit euch rum, wird es ebenso gespiegelt. Ihr seid dann vielleicht unkonzentriert, fahrig, macht dadurch Fehler, die kritisiert werden, wodurch ihr euch noch schlechter fühlt usw. Niemand will wirklich was mit euch zu tun haben, was den Kreislauf nach unten noch verstärkt. Durch Einsamkeit entstehen noch schlimmere Gedanken, bis hin zu Hass. Ihr fühlt euch mies, wertlos und ungeliebt und gebt es weiter, indem ihr unfreundlich und lieblos seid mit euch und eurer Umwelt.

Bitte versteht mich richtig, ich will damit weder Krankheiten wie Depressionen kleinreden, noch jemanden an den Pranger stellen. Ich will nur aufzeigen, dass eure Wünsche die ihr für andere habt, sich diese auf euch Auswirken.

Jemandem, der euch massives Leid zugefügt habt, zu hassen und ihm die Pest an den Hals zu wünschen, macht was mit euch. Ihr könnt niemandem etwas schlechtes wünschen, ohne dass es euch damit gut geht. Das mag vielleicht eine Zeitlang gehen, eine kurze Befriedigung, aber letzten Endes trinkt ihr selber Gift, wenn ihr an negativen Gefühlen festhaltet.

Deshalb habe ich diese Frage gestellt. Was für ein Gefühl ist es, etwas Gutes zu Wünschen? Ist es nicht viel besser?

Ich bin sicher, jedem geht es besser damit.

Bevor ihr mich jetzt blauäugig nennt, ich habe selber viel Scheisse in meinem Leben erlebt und hatte dort Menschen, die mich zerstört haben. Grundlegend.

Deshalb weiss ich, was ich hier sage. Ich habe diese Menschen losgelassen, diese Erfahrungen losgelassen und ihnen von Herzen die besten Wünsche gewünscht.

Das geht noch von jetzt auf gleich, es waren viele Jahre Therapie dafür nötig, viel Erkenntnis, viel Selbstarbeit und Reflexion. Ich kann diese Dinge, die mir angetan wurden, nicht rückgängig machen oder sie ändern.

Ich kann aber entscheiden, wie ich damit leben will. Und es geht mir besser, wenn ich nicht in Hass und Trauer lebe. Ich kann mehr bewirken, wenn es mir gut geht und vor allem gebe ich dann auch das destruktive Verhalten, was mir so geschadet hat, nicht weiter.

Fühlt mal nach, wie es euch geht, wenn ihr jemandem etwas Gutes oder etwas schlechtes wünscht. Und was es mit euch macht. Und womit es euch besser geht.

Hass gibt es schon genug. Lasst es uns doch mal mit Liebe probieren.

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