Text und Kontext mal Fünf

Von Maike:

Vielen Dank für eure Motivation! Hier also 4 sehr alte und ein älterer Text mit ihren entsprechenden Hintergründen. Die Reihenfolge stellt keine Wertung dar. Bei zwei Texten wusste ich gleich, dass ich sie dabei haben wollte. Rückmeldungen und Kaffee sind wie immer willkommen! ❤


1.) Manchmal ist es ganz einfach so: Ich mag die Impressionistische Kunst, und dann packt mich auch eine Naturerscheinung wie ein Sonnenuntergang ganz unerwartet.
Ein weiterer Aspekt ist hierbei wichtig: In der Zeit, in der der Text entstand, wohnte ich noch bei meiner Mutter, und wenn es sich ergab, radelte ich ein paar Kilometer im schnellstmöglichen Tempo, bis die Lunge brannte, die Beine schon schmerzten – oft mit dem Ziel, meiner Uroma etwas außerhalb der Stadt einen Besuch abzustatten. Dort schaute ich öfter unangekündigt vorbei, und wusste, ich bin jederzeit willkommen. Das tat gut. Das war ein schönes Ziel. Omas Freude über diese Besuche begleiten mich. Anfang dieses Jahres ist sie mit fast 98 Jahren verstorben.

Kurz vor der

Dämmerung

brennt noch

der Himmel –

Als gäbe es

einen Aufschrei

bevor der Horizont

die Sonne verschlingt.

(06.11.08)


2.) Sehr stolz bin ich auf folgenden Text. Für mich zeigte es bis damals erfassbare Facetten einer Trennung. Als ich das Dokument, in dem ich nach den zuvor ausgewählten Texten suchte, öffnete, sprang mir dieses Stück in die Augen. Eine konkrete (bzw unmittelbare) Trennung kam diesem Text nicht zuvor, es war ein Impuls.

Das Ende vom Lied

Ich wollte dich da nicht

mit hineinziehen, sagt sie.

Ich wollte dir nicht

weh tun, versichert er.

Das hatte ich mir anders

erhofft, seufzt sie.

Das habe ich so nicht

geplant, meint er.

Das hätten wir klären sollen,

stellt sie fest.

Das hätten wir anders entscheiden

müssen, betont er.

Du hättest es mir sagen sollen!

Schreit sie.

Du hättest ja fragen können!

Tobt er.

Ich hätte es wissen müssen,

denkt sie.

Es ist aus,

steht in seinem Gesicht.

(28.12.11)


3.) Ich mag den Impressionismus. Wirklich.

Es wird Herbst in meinem Herzen,

Die Nächte werden länger

Die Nächte werden einsam

Die Blätter fallen ständig

Die Blätter fallen leise

Der Wind bläst wieder stärker

Der Wind will nicht verweilen

Der Herbst steht vor der Tür.

(12.09.08)


4.) Dieser Text fasst viele vorherige (längere) Texte zusammen: In der Heimatstadt hatte ich noch eine Affäre zu laufen, zu der ich jedes Wochenende des ersten Semesters hastete. Ich war selten wirklich bei meiner Familie, vielmehr erhoffte ich mir aus der Affäre mehr, als da war. Es hat viele Texte gebraucht, bis ich das so klar hatte, wie hier.

In zwischen

Auf Armlänge

entfernt –

In Sichtweite

verschwunden –

Aneinander

vorbei gehört –

Laut genug

geschwiegen –

Gemeinsam

zerrissen.

(18.01.10)


5.) Dieser Text ist deutlich neuer, allerdings ist es eine lange gereifte Entscheidung. Dem Text geht eine Beziehung mit einem Narzissten voraus. Es hat sieben Jahre gebraucht, mich vollständig zu lösen. Mit den Narben muss ich leben.

Fünfmal
Wolltest du dich verabschieden.

Viermal
Habe ich dir das geglaubt.

Dreimal
Hattest du Angst, mich zu verlieren.

Zweimal
Langeweile.

Einmal
War dann endlich mal genug.


(26.12.17)

****

Und, weil so viele Faves eintrafen, hier noch eine Zugabe:

6.) – Ohne Erklärung –

Die Sonne brannte uns
heiß in den Nacken,
und die Steppe lag flimmernd
vor uns.
Sechs Monate schon,
Briten hier, Einheimische dort.
Still war es hier,

zwischen den Fronten.
Stete Flucht in eine andere
Zeit, ein anderes Land,
ein völlig ungewohntes Tempo.

Und nun schickst du
mich heim – es heißt
Abschied nehmen.
Als Frau werde ich hier
nicht gebraucht.
Kein Briefwechsel, vielleicht
nicht mal ein Wiedersehen –
und dennoch so viel Dankbarkeit.

(01.04.18)

Falls ihr Maike unterstützen wollt, gebt ihr doch einen Kaffee aus, sie freut sich sehr darüber:

https://ko-fi.com/mamahuh

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