Zähne putzen ohne Terror

Wir wissen alle, dass es wichtig ist, sich die Zähne zu putzen. Natürlich wollen wir Karies und schmerzhafte Entzündungen vermeiden. Wir sind nicht so scharf drauf, zum Zahnarzt zu gehen, weil gebohrt werden muss oder ein Zahn sogar gezogen werden muss. Ist ätzend, tut weh, muss nicht sein.

Selbstverständlich wollen wir auch, dass unsere Kinder davor geschützt sind und sie mit gesunden und kräftigen Zähnen aufwachsen.

Allerdings können unsere Kinder – je nach Alter – diese Dimensionen noch nicht erfassen. Sie wissen nicht, was es bedeutet, Karies zu haben. Dementsprechend wenig mögen sie es, die Zähne geputzt zu bekommen.

Und, seien wir ehrlich, ich kann sie sogar verstehen. Statt ein spannendes Spiel zu spielen, etwas schönes zu malen oder sich mit tollen Dingen zu beschäftigen, müssen die Kinder still stehen, den Mund weit aufmachen und sich an den Zähnen rumfummeln lassen. Wie störend ist das denn?

Dass sie sich dann wehren, ist klar. Es gibt so viele tolle Sachen, Zähne putzen gehört nicht dazu. Und da sie die Tragweite nicht verstehen, können(!!) sie auch garnicht verstehen, wie wichtig das ist.

Jetzt lese ich dann ab und zu von Elter, die ihre Kinder bedürfnisorientiert Erziehen, dass sie das Zähne putzen dann eben lassen. Und das dann aber nicht als Ausnahme, sondern als Regel.

Puh.

Grundsätzlich denke ich, es soll jede*r machen, was sie/er für richtig hält, allerdings ist das etwas, was für mich unter den Punkt der Fürsorge fällt und da stehe ich dann als Elternteil vorne. Auch wenn ich mit meinen Kindern in einer bedürfnisorientierten Beziehung lebe, letztendlich habe ich, als Erwachsene, aber auch die Verantwortung. Und, wenn ich meinem Kind die Zähne nicht putze, weil es das eben nicht will, dann gebe ich diese Verantwortung an mein Kind ab. Das kann sie aber noch garnicht tragen.

Und, was sind dann die Folgen?

Karies, schmerzhafte Zähne, ein Kind, das leidet. Es muss zum Zahnarzt und der Zahnarzt muss bohren oder den Zahn ziehen.

Wo genau ist das dann bedürfnisorientiert? Das will das Kind dann natürlich auch nicht, ich hasse es heute noch, wenn ein Zahn gezogen, oder gebohrt werden muss. Ich verstehe allerdings den Sinn dahinter, das Kind nicht. Und was wird dann gemacht? Dann bleibt alles, wie es ist, weil das Kind das ja nicht will?

Ich will niemanden angreifen oder schlecht machen, wirklich nicht. Ich will nur aufzeigen, dass die Folgen weitaus schlimmer sind, als das Zähneputzen. Die können nämlich tatsächlich richtig traumatisch werden.

Ich habe allerdings ein paar Tipps gesammelt um euch den Zahnputzterror zu ersparen.

Aber erst eine kleine Erklärung, wie Karies überhaupt entsteht.

Neben sämtlichen Zuckerarten und falschem bzw keinem Zähneputzen, kann auch Wasser Karies verursachen, wenn ihr eurem Kind zB Wasser in einer Nuckelflasche gebt und es dauernd daran nuckelt, dann verwässert das Wasser den Speichel, der aber wichtige Spurenelemente wie Kalzium und Phosphat enthält. Mit denen können kleinste Defekte auf den Zähnen ausgeglichen und so Karies verhindert werden. Ist das zu wenig vorhanden, geht es natürlich nicht mehr so gut, logisch.

Was ebenfalls wichtig ist, ist das Wechseln der Zahnbürste. So alle 4-6 Wochen wird es empfohlen.

So, jetzt aber.

Am Besten ist, ihr gewöhnt euer Baby schon direkt ab dem ersten Zahn ans Putzen. Es gibt so kleine Fingerlinge, oder auch Fingerzahnbürsten, mit denen ihr schon vorsichtig putzen könnt. Gewöhnt es euch und eurem Baby an, morgens nach dem Aufstehen und abends vor dem Schlafengehen zu putzen. Macht es spielerisch, Babys machen unsere Mimik noch oft nach, öffnet selber den Mund und spielt zB dass ihr den Finger in den Mund gebt (nicht zu tief reinstecken, sonst kommt alles wieder raus, was so im Baby drin ist), putzt schnell über den Zahn, schaut ganz überrascht :“Was ist denn da? Da muss ich nochmal schauen!“ und das gleiche von vorne. Ihr könnt aber auch bereits eine richtige Zahnbürste nehmen, es gibt extra für sehr kleine Kinder spezielle Bürsten. So lernt euer Baby von anfang an, dass es dazugehört und nichts schlimmes ist.

Macht das Baby den Mund nicht auf, gibt es Kaubürsten, die haben so kleine Noppen (die sind auch super beim Zahnen), gebt dem Baby die Bürste in den Mund und es nagt selber daran herum. Auch so wird der Zahn dann sauber.

Wenn euer Baby Fluorid bekommt, nehmt bitte keine Zahnpasta dazu. Oder eine Zahnpasta ohne Fluorid. Beides zusammen wird nicht empfohlen.

Ihr könnt ein Ritual aus dem Zähneputzen machen, indem ihr zB einen Zahnputzreim aufsagt.

Hier sind ein paar, die Website Eltern.de hat wunderschöne Reime, die ich euch nicht vorenthalten wollte.

Weigert sich euer Kind, sich die Zähne putzen zu lassen, gibt es noch ein paar Möglichkeiten.

Dass Gewalt dabei keine Lösung ist, ist klar, denke ich.

– macht einen Deal mit eurem Kind. Zuerst darf es selber putzen, dann putzt ihr nach. Das solltet ihr sowieso immer machen, weil Kinder oft nicht alle Zähne erwischen. Es wird geraten, dies bis zum Alter von ca 10 Jahren zu machen.

– holt euch eine spannende Zahnbürste. Lasst sie auch das Kind aussuchen.

– oder holt eine elektrische Zahnbürste. Das ist auch spannend und vor allem, die dürfen ja eigentlich nur die großen Kinder 😉

– macht einen Wettbewerb draus. Putzt euch mit den Kindern die Zähne und wer am weitesten den Mund aufmacht/ am gründlichsten putzt etc hat gewonnen

– es gibt Apps mit Zahnputzspielen, ich selber habe sie noch nicht ausprobiert, aber von anderen gehört, dass sie gut seien

– habt grundsätzlich immer einen festen Ablauf. Dann können die Kinder sich darauf einstellen und wissen, was als nächstes passiert.

– sind die Kinder aber mal so in ein Spiel vertieft, sprecht ab, dass sie noch etwas spielen können, dann aber kommen sollten.

– macht es von Kleinauf zum Thema in Form von Büchern oder Hörspielen.

– gebt den Kindern eine Zahnbürste für die Kuscheltiere/Puppen, die brauchen auch saubere Zähne

– ihr könnt eure Kinder dann animieren, den Kuscheltieren/Puppen selber beizubringen, wie wichtig Zähne putzen ist und eure Kinder sollen den Kuscheltieren/Puppen zeigen, wie das geht.

– stellt sie vor einen Spiegel und zeigt ihnen, was ihr macht.

– manchmal hilft es auch, Quatsch dabei zu machen.

– hilft das alles nichts, lasst sie in der Zeit etwas auf dem Handy schauen, es gibt bei YouTube ganz tolle Zahnputzlieder

– geht auch das nicht, dann habe ich den Tipp bekommen, die Zähne zu putzen, wenn das Kind schläft. Finde ich ambivalent, denn: die Gefahr, dass euer Kind sich verschluckt, ist dort groß. Und ausserdem ist dies übergriffig. Allerdings, wenn echt so überhaupt nichts mehr geht, ist es der letzte Strohhalm.

Ja, natürlich werden dem Kind nicht gleich alle Zähne ausfallen, wenn es mal die Zähne nicht putzt. Das ist kein Beinbruch. Das sollte aber trotzdem keine Option sein, sondern nur in absoluten Ausnahmefällen gemacht werden. Wenn das Kind zB zu Krank/schlapp ist.

Wenn ihr dies alles bereits versucht habt und euer Kind weigert sich trotzdem, dann probiert es mal mit einem Besuch beim Zahnarzt. Das ist für euer Kind eine andere Art der Kompetenz, wenn der Zahnarzt das wiederholt, was ihr vielleicht schon tausendmal gesagt habt, hat es trotzdem ein anderes Gewicht. Der Zahnarzt bzw die Zahnärztin kann dann auch Fragen des Kindes beantworten und euch somit unterstützend helfen.

Das ist ja das Gute daran: ihr müsst da garnicht alleine durch. Holt euch Hilfe, wenn es möglich ist. Und wenn es eben in Form eines Zahnarztbesuches ist.

Was ebenfalls allen zugute kommt, ist die innere Haltung dazu. Nora Imlau hat dazu einen tollen Text bei Twitter geschrieben: (hier ist der ganze Thread)

Sie stellt sich vor, sie sei alt und dement und fragt sich, was würde sie sich von ihrem Gegenüber jetzt wünschen, wenn sie keine Zähne putzen will?

„[…] Was mir helfen würde, wäre: respektvolle Klarheit. Eine vertraute Bezugsperson, die zu mir sagt: Vertrau mir. Zähneputzen ist jetzt dran. Es ist wichtig für dich. Und die dann meine Zähne putzt. Auch wenn ich es blöd finde und dagegen protestiere.[…] Wichtig wäre für mich, dass mein Gegenüber nicht sauer ist auf mich, weil ich nicht kooperiere, sondern versteht, dass ich gerade nicht anders kann. Ich würde nicht hören wollen, dass alles viel leichter wäre, wenn ich mal besser mitmachen würde.[…]

Verständnis haben für das Kind und dass es die Zähne nicht putzen will, ist entscheidend für ein gemeinsames, respektvolles Miteinander. Das Verständnis öffnet das Herz, unser Blick auf das Kind verschiebt sich von „der macht nur ärger“ hin zu „er kann gerade nicht anders“. Damit ändert sich unser Tonfall und unser Blick. Wir steigen aus dem Machtkampf aus und begegnen uns auf Augenhöhe.

Eure Kinder wollen immer Kooperieren, sie wollen euch immer gefallen. Nur können sie es nicht immer und das letzte, was sie dann brauchen, sind Drohungen und Strafen.

Um den Gedanken von Nora nochmal aufzunehmen, würdet ihr so behandelt werden wollen, wenn ihr etwas nicht (mehr) könnt?

Ist die Antwort ein klares „Nein!“ dann ist es falsch, eure Kinder so zu behandeln.

Ich hoffe, dass euch mein Artikel schon etwas helfen konnte. Wenn ihr dazu Fragen/Anregungen oder auch Kritik habt, lasst mir gerne einen Kommentar hier.

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